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Posts Tagged ‘Philosophie’

Seit einiger Zeit revolutioniert ein kleiner Verlag aus Berlin den Buchmarkt. „Round not Square“ bringt seine Werke als Schriftrollen heraus und erlaubt damit einen Zugang, wie ihn Leser lange Zeit nicht mehr erlebt haben. „Round not Square“ hat bereits einige Kunst- und Fotobücher veröffentlicht, aber auch das zauberhafte Kinderbuch „Wilma und Wolf“. Jetzt beweist der Verlag mit Paul Rietzls „Shipwreck“, dass auch Graphic Novels ins rollende gigantisch-extreme Querformat gehören.

„Der Weltraum – unendliche Weiten.“ So beginnt die deutsche Version von „Raumschiff Enterprise – The next Generation“. So könnte aber auch „Shipwreck“ beginnen, denn durch das Schriftrollenformat haben die Augen schier unendlich weiten Raum, die erzählte Geschichte zu erfassen. Man kann sie nur wenige Zentimeter ausbreiten oder endlich mal wieder den Tapeziertisch aus dem Keller nutzen. Vornehmlich funktioniert das so fantastisch, weil der Augsburger Zeichner Paul Rietzl sich diesen Raum kunstvoll genommen hat. Weil das Rollenformat ihn nicht einengt und zu Panels drängt, die die Schmalheit eines Buches sonst vorgibt. Dieser Schriftrollenraum kennt keine Grenzen. Er ist die Buch gewordene Weiterentwicklung der Idee einer „unendlichen Leinwand“, die ursprünglich von dem Comic-Künstler und -Theoretiker Scott McCloud stammt. Der US-Amerikaner hatte sich zur Jahrtausendwende die Frage gestellt, ob Comics nicht auch wie Webseiten durch Scrollen zu lesen seien. Nach dem Lesen von „Shipwreck“ aber werden Sie denken: Rollen statt Scrollen!

„Shipwreck“ spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschen nach dem Untergang einer einst reichen Zivilisation nur noch zwischen Weltraumschrott dahinvegetieren. Die einen sind die Sammler und Unterdrückten, die anderen die Herrscher und Unterdrücker. Ein Samurai-Clanwesen gaukelt eine gewisse Struktur vor, aber letztendlich geht es immer nur um die Macht des Herrschens. Wer sich dagegen auflehnt, muss mit dem Tode rechnen, und so ergeht es auch der Fürstin des Helden und Erzählers Oishi. Ein Erweckungserlebnis für den bisherigen Mitläufer, denn fortan hinterfragt er die interstellare Grundordnung. Und es beginnt der letzte Kampf um die Zukunft der Galaxie.

Macht, Ehre und die eigene Integrität

Es mag sein, dass die Geschichte des 1986 geborenen Rietzl auch deshalb so gut funktioniert, weil sie im Rollenformat erzählt wird und wie im Film vor unseren Augen abläuft. Hat man die 15 Meter lange und 20 Zentimeter breite Schriftrolle wieder in ihren Ursprungszustand zurückgerollt – was bleibt dann von „Shipwreck“? Vor allem die philosophischen Fragen über Macht und Machtmissbrauch, über Ehre und die eigene Integrität. Übersetzt heißt „Shipwreck“ Schiffbruch, aber „to shipwreck“ bedeutet auch, etwas zum Scheitern zu bringen. Mit Oishi müssen wir uns fragen lassen, ob wir lieber passiv bleiben und Schiffbruch erleiden oder aktiv werden und etwas Unrechtes zum Scheitern bringen wollen. Eine Frage, die ewig jung ist und doch so alt wie das Universum.

Mit „Shipwreck“ zeigt „Round not Square“ einmal mehr, wie das Geschichtenerzählen immer wieder neu erfunden werden kann, wie es spannend und aufregend bleibt. Und dass die Schriftrolle es wert ist, in die Jetztzeit geholt zu werden. Eine Wohltat für all jene, die Bücher lieben, sie gerne anfassen und sich mit ihnen beschäftigen!

Paul Rietzl: „Shipwreck“, Round not Square, Berlin, 2016, 15 Meter lang, 20 Zentimeter hoch, handgebunden in Buchleinen mit Magneten, 28 Euro, bestellbar über den Onlineshop des Verlags, Unboxing-Video

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imageIn seiner spanischen Heimat erschien das Buch „Odem“ des katalanischen Comic-Künstlers Max bereits 2012. Deutsche Comic-Fans mussten sich gedulden, bevor das Werk jetzt auch im Avant-Verlag aus Berlin erhältlich ist. Es erzählt hervorragend gezeichnet und mit zahlreichen philosophischen Bezügen von Nick, der in die Einsamkeit der Wüste flüchtet. Ein Buch, das man aufmerksam lesen sollte.

Nikodemus hat die Nase voll (und er hat eine ziemlich lange Nase!). Der Lärm und die Oberflächlichkeit der Welt nerven ihn vollends. Nur die Wüste erscheint ihm noch als einziger Rückzugsort, um den Sinn, den „endgültigen, unanfechtbaren Sinn, falls es den gibt“, zu finden. „Ich habe es satt, und zwar alles! Die Welt und die Menschen, die Dinge und die Ideen, die Wörter und die Bilder!“ Spricht’s und kippt rücklings in die Wüste.

Doch dass die Wüste lebt, wusste schon der Dokumentarfilmer James Algar. Und so verwundert es nicht, dass Nikodemus zunächst auf einen ziemlich grundentspannten Kater namens Moses trifft, der die Dinge gerne vereinfacht, zu allererst die Namen. So wird aus Moses Mosh und aus Nikodemus Nick – der übrigens in des Katers Augen einen ziemlichen Sonnenstich hat. Neben der wahrlich coolen Socke Mosh trifft Nick auch noch die kleptomanische Elster Juanita, einen traumdeutenden Schiffbrüchigen sowie seinen eigenen Schatten.

Die Geschichte einer Entsagung

Allerlei Ablenkungen versuchen ihn, vom rechten Weg abzubringen, und seine letzte Prüfung kommt mit der betörenden Allmacht der unnahbaren Königin von Saba. „Odem“ ist auch die Geschichte einer Entsagung, um dadurch der absoluten Wahrheit begegnen zu können. Wer Nick nicht in sein Herz schließt, hat wohl noch nie eine Sinnkrise erlebt.

Nicks Suche nach seinem spirituellen Gleichgewicht wird in wunderbar stilisierten Schwarz-Weiß-Zeichnungen erzählt und passt damit hervorragend in die klare Farblosigkeit der Wüste. Gerne wird seine klare Linie mit der des US-Comic-Erneuerers Chris Ware verglichen.

Max selbst erklärt zu Beginn des vorliegenden Buches, es sei partiell inspiriert von „The Wiggle Much“, der „einzigartigen, legendären Comicarbeit von Herbert E. Crowley“. Der frühe, sehr surreale Comic erschien zwischen März und Juni 1910 auf dreizehn halbseitigen Seiten in der New York Herald Tribune. Als Hommage lässt Max die von Crowley erfundene Figur in einem seiner Panels auftauchen.

Einer der bekanntesten spanischen Comic-Künstler

Max, mit bürgerlichem Namen Francesc Capdevila, wurde 1956 in Barcelona geboren und gilt heute als einer der bekanntesten spanischen Comic-Künstler und ist vielfach preisgekrönt. „Odem“ wurde 2013 beim internationalen Comicsalon in Barcelona als bestes nationales Werk nominiert. Auf Deutsch erschienen bereits „Der geheime Kuss“ und „Der Werwolf Punk“ beim Alpha Comic Verlag, sowie „Der lange Traum des Herrn T.“ und „Bardín der Superrealist“ bei Reprodukt.

Lesen Sie „Odem“ und erkennen Sie, dass man selbst in der Wüste nicht von Ablenkungen verschont bleibt. Sind Sie gar selbst in einer Sinnkrise, so ist „Odem“ eines dieser Bücher, die für surrealistisch-philosophisch veranlagte Menschen eine durchaus hilfreiche Lektüre sein können.

Max: Odem, Avant-Verlag, Berlin, 2016, 111 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, ISBN 978-3945034491, Leseprobe

Seitengang dankt dem Avant-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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Ich, der MörderMorde üben immer wieder eine seltsame Faszination aus – zahlreiche Bücher und Filme beschäftigen sich etwa mit dem perfekten Mord. Daneben existieren diverse Darstellungen über den Mord als (schöne) Kunst und Frage der Ästethik. Emilio Rodriguez, Professor für Kunstgeschichte an der Universität des Baskenlandes und Protagonist der raffinierten Graphic Novel „Ich, der Mörder“, frönt aktiv dieser besonderen Leidenschaft: dem Morden als Kunstform. Antonio Altarriba und dem Zeichner Keko ist ein philosophisch dichter, aber auch mit vielen Abzweigungen versehener Comic gelungen, der Mühe macht, und sich dennoch zu lesen lohnt.

Rodriguez ist 53 Jahre alt und leitet neben seiner Lehrtätigkeit eine Forschungsgruppe zur Darstellung der Folter in der westlichen Malerei. Er ist verheiratet, hat eine Affäre mit einer seiner Studentinnen und reist ansonsten quer durch Spanien, um aus seiner Sicht ästethisch wunderbare Kunstwerke zu schaffen. „Töten ist kein Verbrechen“, sagt er zu Beginn. „Töten ist eine Kunst.“ Die jedoch sei erst dann möglich, wenn der Mord willkürlich geschehe, nie aus persönlichem Nutzen, nie am selben Ort, und die Opfer mal Mann, mal Frau, jung und alt, arm und reich sind.

Der Leser begleitet Rodriguez von den Anfängen seiner schauderhaften Kunst bis in die Gegenwart, nicht linear erzählt, sondern in Zeitsprüngen. Die Kunst des Mordes bleibt dabei immer vorherrschendes Thema. Der Autor, der selbst Professor für französische Literatur an der Universität des Baskenlandes ist, verknüpft mit der Handlung unterschiedliche kunsttheoretische Diskussionen sowie die politische Frage der Unabhängigkeit des Baskenlandes. Das kann manchenorts ermüdend wirken, denn der Autor hält sich mit seinem Wissen nicht gerade zurück. „Ich, der Mörder“ ist also kein reiner Krimi- und Thriller-Plot, sondern begeistert vor allem durch die philosophische Fachsimpelei.

„Der Mord, als eine schöne Kunst betrachtet“

Dass das Morden eine Kunst sein kann, hat schon der englische Schriftsteller Thomas de Quincey erkannt. In dessen 1827 erschienenen, schwarzhumorigen Essay „Der Mord, als eine schöne Kunst betrachtet“ gibt er einer fiktiven Runde von Londoner Mordliebhabern einen Überblick über die Kunstgattung des Mordes, die ganz eigenen ästethischen Regeln folgt. Dieser Idee fühlt sich auch Rodriguez verpflichtet. Jedem seiner Morde gibt er einen Titel: „Bloody Painting“, „Blood, Sweat & Tears“ oder „Der Puzzle-Mord“. Kein Mord ist wie der andere, unbeweisbar und folgenlos sollen sie sein. Er ist nicht Serienmörder, sondern „Exklusivmörder“ – so sieht er sich selbst. Das geht erstaunlich lange gut. Doch plötzlich scheint ihm gerade sein Ruf als Experte für Grausamkeit in der Malerei zum Verhängnis zu werden, denn es tun sich merkwürdige Parallelen zu einem Mordfall auf, in dem die Polizei ermittelt.

Eine Graphic Novel reduziert sich nie nur auf den Text, sondern wirkt und lebt durch die Koexistenz von Zeichnung und Text. Der spanische Zeichner José Antonio Godoy – Keko ist sein Pseudonym – hat der Kunst- und Mordgeschichte den passenden Rahmen gegeben. Die Graphic Novel ist durchweg schwarzweiß gezeichnet, wobei die schwarzen Flächen überwiegen und eine düstere Grundstimmung erzeugen. Doch sobald rote Dinge ins Spiel kommen, sind sie deftig rot gezeichnet. Das kann ein Apfel oder ein Strauß Rosen sein, fast immer aber ist es Blut. Mal nur ein Tropfen, mal ein ganzer Schwall. Es erinnert in seiner Symbolik an die „Dorian Gray“-Verfilmung von Albert Lewin aus dem Jahr 1945, die hauptsächlich als Schwarzweißfilm gedreht wurde. Nur das Bildnis des Dorian Gray ist als einziges Objekt mehrmals in Farbe zu sehen. So sind auch Godoys Zeichnungen der papiergewordene Schwarzweiß-Film ganz großer Klasse.

„Ich, der Mörder“ ist ein anspruchsvolles Werk, kein Pageturner, der sich rasant lesen lässt. Wer das sucht, sollte sich anderen Büchern zuwenden. Wer sich aber gerne intellektuell auf hohem Niveau unterhält, an verschiedenen Kunstströmungen interessiert ist und einer Graphic Novel die Chance lässt, selbst komplexes Kunstwerk zu sein, sollte sich Altarribas und Kekos bereits preisgekrönte Version des Kunstmords ansehen.

Antonio Altarriba/Keko: Ich, der Mörder, Avant-Verlag, Berlin, 2015, 136 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, ISBN 978-3945034323, Leseprobe

Seitengang dankt dem Avant-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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Eigentlich müssten wir tanzenWas bleibt, wenn die Welt untergeht und man selbst ist der einzige Überlebende? Zahlreiche Filme und Bücher haben sich diesem Szenario gewidmet. Der 1978 in München geborene Heinz Helle hat jetzt noch eine weitere Version hinzugefügt. In „Eigentlich müssten wir tanzen“ sind es allerdings mindestens fünf Menschen, die überlebt haben, fünf Freunde aus alten Zeiten, die unbedingten Lebenswillen haben. Das Buch aber hat bloß Literaturwillen, und schafft es am Ende nicht.

Der dystopische Roman spielt irgendwo im Grenzgebiet zwischen Österreich und Deutschland, vielleicht auch der Schweiz. Fünf Männer, dicke Freunde einst, jetzt nur noch verbunden durch die Erinnerung an alte Zeiten, haben gerade ein Wochenende in einer Berghütte verlebt. Plötzlich werden sie der Rauchwolken gewahr, die aus dem Dorf im Tal aufsteigen. Es brennt. Nicht nur ein Haus oder zwei. Das ganze Dorf steht in Flammen.

„Es gab Zeiten, in denen brennende Dörfer ganz normal waren, ebenso wie brennende Städte. Aber hier und heute fiel das, was wir da unten sahen, so sehr aus dem Kontext unserer gewohnten Wahrnehmung, dass wir zu keinerlei Reaktion fähig waren.“ Einer macht den Vorschlag, zum Auto zu gehen, zur Bestätigung, dass doch alles in Ordnung ist. Doch auch hier: Alles verbrannt.

Nicht nachvollziehbare Gefühllosigkeit

Zu Beginn des Romans sind die Männer schon mehrere Wochen unterwegs. Es ist kalt, und der Schnee liegt hoch, obwohl die Schneekanonen ruhen. Was eigentlich passiert ist und warum die Welt jetzt ist, wie sie ist, das erzählt Helle nicht. Vielleicht hatte er Angst, dass er sonst seine Geschichte nicht mehr plausibel würde erzählen können. Berechtigterweise, denn der Roman krankt neben einer überhaupt nicht nachvollziehbaren Gefühllosigkeit vor allem an einigen Ungereimtheiten.

Ganz zuvorderst: Warum sollten sich jene Menschen, denen die Zivilisation abhanden kommt, grundlos zu unmoralischen Tieren zurückentwickeln? Warum sollten die Überlebenden nicht wissen wollen, was die Welt so verändert hat? Und warum sollten sie all jene Überlebensstrategien, die man doch im Hinterkopf gespeichert hat, über Bord werfen und völlig unüberlegt handeln? Das kann nur dann passieren, wenn sich der Autor aus einem ursachenfreien Szenario einen frei bespielbaren Sandkasten schafft, aber mit den Förmchen und Schäufelchen nicht umzugehen weiß.

Helle will offenbar zweierlei: Erstens einen düsteren Horrorroman vorlegen, in dem sich der Leser allmählich verloren fühlt. Deshalb streut er dann und wann ein paar grausige Szenen ein. Gleich zu Beginn schockiert er den Leser völlig unnötig mit einer Gruppenvergewaltigung einer dem Tode nahen Frau. Jeder der fünf Freunde darf mal ran, und es fällt sogar der nie passende Satz „Du willst es doch auch“. Es folgen weitere brutale Übergriffe, auch unter den Freunden. Später treffen sie einen Fremden, schlagen seinen Kopf zu Brei. Der Ich-Erzähler nimmt die verstörenden Momente jedoch so nüchtern und emotionslos auf wie ein Ergebnisprotokoll.

Seine literarische Stärke entgleitet ihm

Das wiederum ist Andeutung von Helles zweiter Intention: Er will auch im Fach Literatur brillieren. Seine Verknappung der Sprache auf das Nötigste – auch wörtliche Rede gebraucht er kaum -, die kühle Darstellung in 69 Kapitel-Miniaturen auf immerhin nur rund 200 Seiten, diese literarischen Mittel beherrscht Helle schon seit seinem Debütroman „Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin“. Durch das Hinzufügen von Horrorelementen aber entgleitet ihm die literarische Stärke. Er verzettelt sich, es wird zu undeutlich, was er eigentlich will. Helles Betrachtung über den zivilisierten Menschen im rohen Überlebenskampf ist philosophisch vielleicht noch interessant – der Autor studierte Philosophie in München und New York -, aber weder ist sie bedeutsam, noch besonders nachhallend.

Was am Ende dieses Romans bleibt, ist auch die Frage, ob man jetzt nicht doch ein wenig Lebenszeit vertan hat. Stattdessen hätte man lieber Cormac McCarthys „Die Straße“, Thomas Glavinics „Die Arbeit der Nacht“ oder David Monteagudos „Ende“ lesen sollen. Alle drei Bücher handeln vom Weltuntergang. Alle drei sind wirklich stark – und ohne Frage keine vertane Lebenszeit.

Heinz Helle: Eigentlich müssten wir tanzen, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2015, 175 Seiten, gebunden, 19,95, ISBN 978-3518424933

Bei zehnseiten.de liest Heinz Helle aus seinem Roman vor: Sehen Sie hier das Video!

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Die Würde ist antastbarDer Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach hat 13 seiner im Spiegel erschienenen Essays zu einem neuen Werk zusammengefasst. Allein aufgrund der deutlichen Ausführungen zu Recht und Menschenwürde gehört die Sammlung mit dem Titel „Die Würde ist antastbar“ in vieler Leute Hände.

Von Schirachs Erzählbände „Verbrechen“ und „Schuld“ sowie seine beiden bisher veröffentlichten Romane „Der Fall Collini“ und „Tabu“ umkreisen stets dieselben Themen: Schuld, Sühne, Verbrechen, Strafe und Moral. Als ehemaliger Strafverteidiger hat er das zum Sujet seiner Bücher gemacht, was sein tägliches Brot war, bevor er sich für den Hauptberuf des Schriftstellers entschied. Auch in seinem Essayband „Die Würde ist antastbar“ bleibt er seinen Themen treu.

Und so beginnt er seinen Band wie das Grundgesetz mit der Würde des Menschen. Was das eigentlich sei, diese Würde. Die Antwort gibt er selbst und verweist auf Kant und Schopenhauer und darauf, dass es laut Verfassung genüge, ein Mensch zu sein, um Würde zu besitzen. „Wenn nun über einen Menschen bestimmt wird, ohne dass er darauf Einfluss nehmen kann, wenn also über seinen Kopf hinweg entschieden wird, wird er zum Objekt. Und damit ist klar: Der Staat kann ein Leben niemals gegen ein anderes Leben aufwiegen. Keiner kann wertvoller sein als ein anderer.“ Dieser Grundsatz jedoch werde immer mehr in Frage gestellt, erklärt von Schirach. Als Beispiele nennt er Barack Obamas Befehl, Osama bin Laden zu töten, oder dessen Ankündigung, Guantanamo zu schließen. Vier Jahre danach aber habe sich daran nichts geändert: Noch immer würden dort Menschen gefangen gehalten und gequält.

Die Würde wird mit Füßen getreten

Auch für Deutschland benennt er Fälle, in denen die Würde des Menschen auf der Strecke bleibt: Im Fall des Kindermörders Magnus Gäfgen entschied der stellvertretende Polizeipräsident Frankfurts, Wolfgang Daschner, Gäfgen sollte Folter angedroht werden, damit er den Aufenthaltsort seines Opfers preisgibt. Daschner ging damals davon aus, dass der 11-jährige Junge noch lebte. Das zog eine Grundsatzdiskussion nach sich, ob unter bestimmten Umständen die Androhung von Folter verhältnismäßig sei. Von Schirach macht unmissverständlich klar, dass hier und in weiteren Fällen nicht mehr nur die Würde nicht angetastet, sondern sogar mit Füßen getreten werde. Denn auch die „Fürchterlichsten“, wie er Gäfgen in einem weiteren Essay nennt, besitzen Würde. Das wird tatsächlich allzu gern vergessen.

Absolut lesenswert ist der Essay mit der Überschrift „Du bist, wer du bist“, in dem sich von Schirach mit seinem Großvater beschäftigt. Baldur von Schirach war einer der obersten Nationalsozialisten und verantwortlich für die Deportation der Wiener Juden in die Vernichtungslager. In den Nürnberger Prozessen wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb 1974 in Kröv an der Mosel. Weil Ferdinand von Schirach vor allem von Journalisten immer wieder mit Fragen nach seinem Großvater gelöchert wird, will er mit diesem Essay ein für alle Mal deutlich machen, warum er darauf stets keine Antworten hat. Dem Text ist deutlich anzumerken, wie fremd dem Enkel dieser Mann war, der doch sein Großvater sein sollte. „Mein Großvater war ein alter Mann mit einer Augenklappe, den ich nicht kannte“, schreibt von Schirach. Und: „Ich habe nie begriffen, warum mein Großvater der wurde, der er war.“ Gesprochen aber haben die beiden nie über das Thema. Und so ist Ferdinand von Schirach auch heute noch ratlos, absolut ratlos. Aber was von Schirach über die Schuld seines Großvaters schreibt, ist eindringlich und eine deutliche Antwort auf viele Fragen.

Es finden sich in diesem Sammelband jedoch auch Essays, die seltsam anmuten. An erster Stelle sei da jener Text mit dem Titel „Die Kunst des Weglassens“ erwähnt. Darin erklärt von Schirach seinen Lesern, warum das iPad die Zukunft des Lesens sei. Leider liest sich der Text wie eine Werbebroschüre von Apple, nicht aber wie ein fundierter Essay über die Zukunft des Lesens. Die Kunst des Weglassens hätte von Schirach hier lieber selbst beherzigen und diesen Text weglassen sollen.

Jammern auf hohem Niveau

Ähnlich fragwürdig ist der Text mit dem Titel „Weil wir nicht anders können: Über das Schreiben“. Da geht es ihm zunächst um das Urheberrecht und die Frage, ob E-Book-Tauschbörsen legalisiert werden sollen. Dann aber bekennt er sein Unverständnis darüber, „warum Schriftsteller ihre Bücher selbst vermarkten sollen“. Das verführt ihn dazu, von seinem eigenen Weg in die Schriftstellerei zu berichten. Wie er zunächst des Nachts am Schreibtisch saß, weil er nicht schlafen konnte, und bei Zigaretten, Kaffee und dem fahlen Bildschirmlicht Geschichten aus seinem Anwaltsleben niederschrieb. Wie er dann sofort einen Verlag fand („Wir machen das Buch.“), sich mit der Lektorin an die Manuskript-Bearbeitung machte und nach Erscheinen des Buchs auf Lesereise ging. Für seine Termine im Ausland, das Buch war mittlerweile auch dorthin verkauft worden, sorgte sein Verlag. „Nichts davon hätte ich selbst machen können.“ Das ist wahrlich Jammern auf hohem Niveau – und das Erschreckende ist, dass von Schirach so naiv zu sein scheint, dass er von seiner Ausnahmerolle nicht ansatzweise etwas ahnt.

Nein, von Schirach erkennt für sich: „Ein Buch entsteht also nicht nebenbei. Der Vorschlag, Schriftsteller sollten sich selbst auch noch um die Verwertung kümmern, ist absurd. Sie sollen schreiben, ihre Bücher müssen andere verkaufen.“ Von Schirach verkennt hier aber, dass viele andere Autoren genau das nach dem Schreiben ihres Buches auch noch tun müssen. Von der Krimi-Bestseller-Autorin Nele Neuhaus ist etwa bekannt, dass sie ihr erstes Buch „Unter Haien“ im Selbstverlag herausgab und sich – natürlich – um Werbung und Vermarktung selbst kümmern musste. Auf ihrer Webseite beschreibt sie sehr eindrücklich den langen, steinigen Weg inklusive „Klinkenputzen bei Buchhändlern in der Umgebung, die Erstellung einer eigenen Webseite, Lesungen vor manchmal nur zwei oder drei Leuten, Kontakte zur Presse aufbauen“. Von Schirach hat das alles nie erfahren müssen. Erschreckend aber ist, dass sich sein Blick dafür nicht weitet, sondern unwissende Leser Glauben macht, sein Weg sei der übliche.

Die Essays der Sammlung „Die Würde ist antastbar“ sind erstaunlich aktuell geblieben, obwohl sie aus den Jahren 2010 bis 2013 stammen. Was sie außerdem auszeichnet, ist die typische Schreibart, die von Schirachs Texte auch bei juristischen Zusammenhängen lesbar hält: Kurze Hauptsätze, nüchtern und sachlich, aber weit davon entfernt, spröde zu wirken. Nach seinem missglückten zweiten Roman „Tabu“ zeigt dieser Essayband einmal mehr: Von Schirachs Können liegt in der Kürze. Das ist wahrhaft geistreicher Genuss!

Ferdinand von Schirach: Die Würde ist antastbar, Piper Verlag, München, 2014, 143 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen, 16,99 Euro, ISBN 978-3492056588

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Der Fall DerugaVor 150 Jahren kam in Braunschweig die spätere Historikerin und Schriftstellerin Ricarda Huch zur Welt. Inzwischen sind ihre bedeutenden Werke ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Insel Verlag hat jetzt ihren bekanntesten Kriminalroman wieder neu aufgelegt, den Huch selbst als „Schundgeschichte“ bezeichnet hatte. Sie habe ihn nur geschrieben, um Geld zu verdienen. Heute, mit rund 100 Jahren Abstand, liest sich der Roman jedoch als historisch feinsinniges Gesellschaftsbild mit thematisch aktueller Brisanz.

Der Arzt Sigismondo Enea Deruga reist von Prag nach München, um einem ihm zu Ohren gekommenen Verdacht nachzugehen, er selbst solle seine geschiedene Frau umgebracht haben. Dort erfährt er, dass das Gericht schon beschlossen hat, gegen ihn Mordanklage zu erheben, so dass es geradezu vorbildlich sei, dass er sich selbst stelle.

Seine Frau, Mingo Swieter, war Anfang Oktober verstorben und hatte ihn in ihrem Testament zum Alleinerben ihres Vermögens gemacht. Das rief die Baronin Truschkowitz, die schon mit der Finanzspritze fest gerechnet hatte, auf den Plan. Sie brachte das Gericht dazu, eine Exhumierung anzuordnen, nach der unglücklicherweise festgestellt wurde, dass Mingo Swieter nicht an ihrer Krebserkrankung gestorben war, sondern an einem furchtbaren Gift namens Curare.

Ein Alibi kann Deruga nicht vorweisen

Von Deruga weiß man, dass er in argen finanziellen Nöten steckt, am Vorabend des Todes seiner Exfrau eine Fahrkarte nach München gelöst hat und erst am übernächsten Tag nach Prag zurückgekehrt ist. Ein Alibi kann er nicht vorweisen. Hat er in der Zeit also seine ehemalige Frau umgebracht, damit er weiterhin seinem verschwenderischen Leben nachgehen kann?

Der Verdacht wiegt schwer, und Deruga macht es weder dem Gericht noch dem Leser leicht, Ansatzpunkte zu finden, die für ihn sprechen. Im Gegenteil: Er ist mürrisch, provozierend, spottet über das Gericht und wird oft ungeduldig und aufbrausend. Der Gerichtsverhandlung scheint er nur mit einem Ohr zu folgen, und auch sonst zeigt er kein besonderes Interesse daran, dass der Verdacht gegen ihn entkräftet wird. Spricht das am Ende dafür, dass der Richtige auf der Anklagebank sitzt?

Ricarda Huch beschreibt ihre Figuren mit vornehmer Zurückhaltung und erzählt mit dem feinsinnigen Gespür für Dialoge und Ironie. „Der Fall Deruga“ gerät so zu mehr als nur einem Kriminalstück, das überwiegend vor Gericht spielt. Es ist vor allem ein scharfsinniger Gesellschaftsroman aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Hier sind die hierarchischen Strukturen noch klar getrennt: Es gibt den Gerichtspräsidenten und den Angeklagten, die Baronesse und das Dienstmädchen, den Arzt und den Bettler. Aber das ist nur der gesellschaftliche Ausgangspunkt.

„Schwarzes Haar und Feueraugen“

Mit ungutem Gefühl vernimmt der Leser gleich zu Beginn die Stimmen des Publikums, die dem Angeklagten einen „italienischen Typus“ bescheinigen, und zwar den der „verschlagenen, heimtückischen, rachsüchtigen Welschen“. Eine andere Stimme raunt: „Ich dachte, er hätte schwarzes Haar und Feueraugen.“ Und dass es doch unmöglich sei, dass ein Mordverdächtiger auf freiem Fuße sei, „noch dazu einer, der so aussehe, als ob er zu jedem Verbrechen fähig wäre“. Das ist fein beobachtet und heutzutage bei Mordprozessen leider kaum anders.

Der Gerichtssaal ist die kleine Bühne dieses Falls. Der Leser sitzt nah am Geschehen. Fast ist der Luftzug beim Schließen der Aktendeckel zu spüren, so dicht schildert Huch den Prozess, das Auf und Ab der Zeugen, die vielen kleinen Begegnungen vor Gericht und die manchmal sogar philosophischen Betrachtungen danach. Der Leser ist nicht nur Zuschauer, er wird zum Geschworenen, dem die schillernde Persönlichkeit des Doktors von allen Seiten präsentiert wird. Fürsprecher allerdings gibt es nur wenige.

„Der Fall Deruga“ ist aber auch der Roman einer Scheidung und trägt dabei autobiographische Züge. Die Person des Deruga gilt als deutliches Porträt von Huchs erstem Ehemann, Ermanno Ceconi, mit dem sie seit 1898 acht Jahre verheiratet und bis an dessen Lebensende im Jahr 1927 verbunden war. Auch das beschreibt „Der Fall Deruga“ eindrucksvoll: Jene seltene und die Zeit überdauernde Harmonie zwischen zwei schon geschiedenen Ehepartnern.

Was ist die moralische Pflicht?

Damit verknüpft ist es letztlich auch die stets aktuelle Brisanz der Sterbehilfe, die das Buch selbst nach fast 100 Jahren immer noch lesenswert macht. Obgleich es damals ein wenig erwähntes Thema ist, macht Huch es zum zentralen Sujet ihres Romans und bietet dem Leser die rechtliche und moralische Betrachtung. Wie ist jemand zu bestrafen, der auf Verlangen tötet, dem aber keine eigennützige Motivation nachzuweisen ist? Was ist die moralische Pflicht, was bedeuten Begriffe wie Nächstenliebe und Menschlichkeit?

Es steckt also viel drin in diesem kleinen Büchlein, das nun glücklicherweise vom Insel Verlag wieder aufgelegt worden ist. Endlich!, möchte man rufen. Der Ruhm der Schriftstellerin Ricarda Huch ist ein wenig vergangen, ihre Schriften über die Geschichte des alten Deutschlands vergessen und vergriffen. Möge „Der Fall Deruga“ der Anfang eines umfassenden Wiederlesens sein.

Ricarda Huch: Der Fall Deruga, Insel Verlag, Berlin, 2014, 213 Seiten, Taschenbuch, 7,99 Euro, ISBN 978-3458360131, Leseprobe

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DeleteErinnern Sie sich an den Film „Die Matrix“ der Wachowski-Geschwister? Bestimmt. Aber können Sie auch mit dem Fassbinder-Film „Welt am Draht“ noch etwas anfangen? Gemein haben diese Streifen, dass ihre Hauptpersonen mit einem Mal feststellen, dass sie nur Simulationen in einer Computerwelt sind. In Karl Olsbergs neuem Thriller „Delete“ scheint sich die Matrix plötzlich über Berlin zu legen. Ein interessantes und zugleich spannendes Gedankenspiel.

Vier Studenten werden in Berlin vermisst. Sie alle haben dasselbe Online-Rollenspiel gespielt: World of Wizardry (Genrekenner werden das Vorbild dafür schnell erahnen). Mina Hinrichsen steuert gerade ihre Halb-Ork-Kriegerin durch die virtuelle Welt, als plötzlich die Spielfigur eines Freundes „O mein Gott, es ist wahr!“ und „Welt am Draht! Alles ist wahr!“ ruft, stehen bleibt und sich fortan nicht mehr rührt.

Mina versucht, den Freund in der realen Welt zu erreichen und eine Erklärung für dessen mysteriöses Verhalten zu bekommen, aber Thomas reagiert weder auf Telefonanrufe noch auf Sturmklingeln an der Tür. Seine Eltern haben nichts von ihm gehört, Freunde und Kommilitonen ebenfalls nicht.

Von Thomas fehlt jede Spur

Mit einer Finte gelangt Mina in Thomas‘ Wohnung und entdeckt, dass er offensichtlich ohne Schlüssel die Wohnung verlassen hat. Die Vorhänge sind zugezogen, das Bett nicht gemacht, und der Laptop läuft noch. Doch von Thomas fehlt jede Spur. Aus einem Reflex heraus nimmt Mina von Thomas‘ Nachttisch das Buch „Simulacron-3“ von Daniel F. Galouye mit – Vorlage für den Film „Welt am Draht“ von Rainer Werner Fassbinder.

Galouyes „Simulacron-3“, Fassbinders „Welt am Draht“, „Die Matrix“ der Wachowski-Geschwister, aber auch Roland Emmerichs „The 13th Floor“, Platons Höhlengleichnis oder René Descartes‘ „Cogito ergo sum“ – sie alle haben die simulierte Realität zum Thema. Mina recherchiert und stößt dabei aber nur auf immer mehr offene Fragen.

Wie es der Zufall – oder vielmehr: der Autor – will, steht in Berlin die „Sonderermittlungsgruppe Internet“ des LKA kurz vor dem Ende, wenn sie nicht endlich beweist, dass sie doch zu etwas nutze ist. Ihr neuer Leiter Adam Eisenberg ist soeben von Hamburg nach Berlin gewechselt und muss ein Team von höchst eigenwilligen Einzelgängern zu einer Einheit formen. Einer von ihnen, Benjamin Varnholt, erfährt während seiner verdeckten „Ermittlungen“ in World of Wizardry (tatsächlich hatte er bislang nichts zu tun und spielt deshalb während der Arbeit lieber Computer) von Minas Recherchen.

Fall aus einem Computerspiel

Hauptkommissar Eisenberg ist zunächst noch skeptisch, ob ein Fall aus einem Computerspiel tatsächlich der richtige Beweis für die notwendige Existenz der Ermittlungsgruppe ist. Er ändert seine Meinung aber, als bekannt wird, dass nicht nur Mina Hinrichsen ihren Kommilitonen in der realen Welt als vermisst gemeldet hat, sondern dass alle anderen drei verschwundenen Studenten ebenfalls polizeilich als vermisst gemeldet sind. Und plötzlich ist auch Mina wie vom Erdboden verschluckt.

Ist Mina – wie wir alle – nur ein simulierter Mensch in einer simulierten Welt und von einem Admin oder einem allmächtigen Schöpfer gelöscht worden, weil sie der Wahrheit zu nah kam? Und teilt sie das Schicksal mit den anderen vier vermissten Studenten? Oder ist ein Serienmörder am Werk?

Karl Olsberg verwebt die philosophischen Fragen unserer Existenz zu einem spannenden Technikthriller. Wer sich darauf einlassen kann, wird auch durch Olsbergs lesenswertes Nachwort interessante Anregungen für weitere Recherchen und Überlegungen zu diesem Thema bekommen. Auch Olsbergs Blog ist zu empfehlen. Dort gibt es schon die ersten zwei ergänzenden Kurzgeschichten zum Roman „Delete“ zu lesen. Die dritte soll im August erscheinen.

Karl Olsberg ist vom Fach

Karl Olsberg, der mit seinem Pseudonym seiner Heimatstadt im Sauerland ein würdiges Denkmal setzt, ist vom Fach: Er promovierte über Anwendungen künstlicher Intelligenz, war Geschäftsführer und Gründer zweier Unternehmen in der New Economy und wurde von der Wirtschaftswoche mit dem „eConomy Award“ für das beste Start-up im Jahr 2000 ausgezeichnet. Auch andere Bücher von ihm beschäftigen sich mit der Computerwelt („Das System“, „Rafael 2.0“, „Schöpfung außer Kontrolle“).

Und so geht’s auch weiter, denn die „Sonderermittlungsgruppe Internet“ (SEGI) darf weitermachen. Auf Anfrage von Seitengang erklärt Olsberg: „Ich bin gerade dabei, die erste Rohfassung des zweiten SEGI-Romans abzuschließen, der im nächsten Frühjahr im Berlin Verlag erscheinen wird. Worum es in dem Buch geht, verrate ich noch nicht.“ Ob und wenn ja, wie viele weitere SEGI-Geschichten dann noch folgen werden, sei ungewiss und hänge auch vom Erfolg der Bücher ab. „Aber Ideen habe ich noch“, sagt Olsberg.

Sind wir real? Ist die Welt, in der wir leben, real? Oder ist das alles nur ein groß angelegtes Computerexperiment? Sind Déjà-vus wirklich Fehler in der Matrix? Zu diesen Gedankenspielen muss man bereit sein, wenn man Olsbergs Thriller mit Freude lesen möchte. Den Rest erledigen wechselnde Perspektiven und interessant angelegte Personen, die Entwicklungspotential haben und nicht an üblichen Kommissar-Klischees leiden. Das ist keine hochtrabende Literatur, aber spannende Unterhaltung mit interessanten Gedankenspielen. Fortsetzung folgt? Ja, bitte!

Karl Olsberg: Delete, Berlin Verlag, Berlin, 2013, 461 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3833309397, Leseprobe

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