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von-allen-guten-geisternLange Zeit erinnerte in Hamburg nur noch die Friedrichsberger Straße und die S-Bahn-Haltestelle Friedrichsberg an die einstige Heil- und Irrenanstalt aus dem 19. Jahrhundert. Jetzt aber ist es dem Schriftsteller Andreas Kollender in vortrefflicher Weise gelungen, diese Geschichte wieder ans Licht zu holen – und nicht nur das. Mit seinem neuen Roman „Von allen guten Geistern“ würdigt er besonders den Begründer der Anstalt und schreibt diesen Mann furchtbar schön und direkt ins Herz des Lesers. Eine Wucht von einem Roman!

In der alten Hansestadt Hamburg schreibt man das Jahr 1864, als die Zeitungen von einem seltsamen Vorfall auf dem Heiligengeistfeld berichten. Ein Mann namens Ludwig Meyer verkauft auf dem Markt alte Zwangsjacken – und die Leute reißen sie ihm förmlich aus den Händen. Dieser Meyer war niemand Geringeres als der neue Leiter der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg, der, wie Kollender es ihm so schön in den Mund legt, den „Zwang verkauft“ hat. Der Psychiater war seiner Zeit und dem Wissen und Wollen seiner Kollegen weit voraus und Anhänger der sogenannten „No Restraint“-Bewegung. Keine Zwangsmaßnahmen sollten die Patienten einengen, sondern sie sollten sich weitestgehend frei entfalten können.

Die Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg, die tatsächlich maßgeblich nach Meyers Plänen eingerichtet wurde, galt als eine der fortschrittlichsten Psychiatrien der damaligen Zeit. Erstmalig blieben die Fenster ohne Gitter, und die Menschen wurden nicht mehr wie Gefängnisinsassen behandelt, sondern bekamen Freizeitangebote. Sie konnten malen, musizieren, ihr eigenes Gemüse anpflanzen. Bis dato ein Ding der Unmöglichkeit, denn wer im frühen 19. Jahrhundert psychisch erkrankte, dem wurde in der Regel nicht geholfen, sondern der wurde weggesperrt, von der Öffentlichkeit ferngehalten. Psychischen Erkrankungen haftete ein Makel an, dem man besser aus dem Wege ging.

Schrecken einer psychischen Erkrankung

Der junge Ludwig Meyer erlebt in der eigenen Familie den Schrecken einer psychischen Erkrankung. Seine Mutter wird zunehmend depressiv, der Arzt weiß sich keinen Rat. Der strenge Vater erklärt seinem wissbegierigen Sohnemann, seine Mutter habe nur eine Verstimmung. „Eine Gemütssache. Frauenunsinn.“ Doch dass seiner Mutter nicht nur Frauenunsinn widerfährt, ist Meyer spätestens klar, als sie versucht, sich in den Tod zu stürzen. Der Vater ist völlig überfordert, fürchtet um den guten Ruf der Kaufmannsfamilie. Die Kutsche, die die Mutter ins Krankenhaus bringt, soll tunlichst nicht gesehen werden. Und als sie aussteigen, sagt er seiner Frau: „Die Schultern zurück, strengerer Blick, Annette, stramm, sonst halten die dich noch für verrückt.“

Bloß nicht verrückt sein. Nur Frauenunsinn. Für Ludwig Meyer folgt an diesem Tag wohl das Erweckungserlebnis für die viel spätere Entscheidung, den Zwang zu verkaufen. Denn er muss mit ansehen, wie seine Mutter überwältigt und in eine Zwangsjacke gesteckt wird. „Die drei Graukittel zogen sie durch eine Tür. Mutters Fersen schleiften über den Boden, sie verlor ihre Schuhe. Sie kreischte. (…) Rums. Weg.“ Oft schreibt Kollender bloß kurze, einfach wirkende Hauptsätze. Doch er schafft damit immer wieder eine Eindringlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Das ist wahre sprachliche Raffinesse, die mit wenigen Worten das Herz erreicht und das Denken anschiebt.

Ludwig Meyer macht sich auf, ein Reformer der Behandlung geistig kranker Menschen zu werden. Im Studium nennen ihn manche einen „eleganten Spinner“, andere verspotten ihn als „Advocatus der Irren“. Und seine Professoren der Medizin glauben, es sei eine rhetorische Frage, die sie stellen, wenn sie ins Auditorium rufen: „Meine Herren, wirklich, wofür braucht ein Irrer einen Arzt?“ Ja, wofür braucht ein Irrer einen Arzt? Der hat schließlich kein gebrochenes Bein, das man behandeln könnte. Der Irre ist nicht ganz klar im Kopf, dem kommt man nicht bei, deshalb versteckt man ihn lieber im Keller hinter vergitterten Fenstern und überlässt ihn sich selbst. Ludwig Meyer besucht in England den Kollegen John Conolly, der ebenfalls historisch verbrieft ist. Conolly ist in England damals Vorreiter der „No Restraint“-Bewegung, und Kollender lässt ihn deutlich formulieren: „Wir nennen sie Irre. Wahnsinnige. Wir drängen sie weg. Warum, Meyer? Weil wir Angst haben. Wir haben Angst davor, etwas von uns selbst in diesen Menschen zu sehen. Wir haben Angst vor Erkenntnis.“

„Hauen Sie wieder ab mit diesem ganzen Dreckspack“

Und die furchtbare Erkenntnis ist: daran hat sich nach fast 200 Jahren kaum etwas geändert. Wie auch an der Reaktion der Öffentlichkeit nicht. Denn heute wie damals kocht die Volksseele, wenn in die Nachbarschaft ein psychiatrisches Krankenhaus ziehen soll: „Wir wollen Sie da nicht!“ „Hauen Sie wieder ab mit diesem ganzen Dreckspack.“ „Wir wollen keine Irrenanstalt bei uns. Wir wollen die da nicht haben.“ Das sind Sätze aus dem Roman. Aber sie könnten auch aus einer heutigen Bürgerversammlung stammen.

Kollender hat also nicht nur ein zu Herzen gehendes historisch exzellent recherchiertes Porträt über einen Psychiatrie-Revoluzzer geschrieben, sondern auch einen Roman, an dem wir uns selbst messen können: wie gehen wir denn heute mit psychisch Kranken um? Wie behandeln wir Menschen mit Behinderungen? Und braucht nicht jede Zeit Menschen wie Ludwig Meyer, die anderen voraus sind und uns daran erinnern, was wir alle sind? Ohne Ausnahme: Menschen. Meyer muss das sehr häufig sagen: Menschen! Das sind doch Menschen!

Ihm ist nichts Menschliches fremd, diesem Ludwig Meyer. Das ist schon ein dufter Typ, und allzu oft möchte man zu ihm in die Kutsche steigen und die Räder über das Pflaster Hamburgs rattern hören, während man mit dem Herrn Doktor Fallakten bespricht. Aber dann und wann möchte man ihn auch schütteln und zur Vernunft bringen, manchmal ist er gar ein arroganter Angeber – und in der Liebe ein hilfloses Wesen. Obgleich Ludwig Meyer in diesem Roman Bahnbrechendes vollbringt, macht Kollender ihn nicht zum Helden. Das ist er nicht, das macht aber auch einen weiteren Reiz dieses Buches aus: dass Ludwig Meyer seine eigenen Verschrobenheiten hat. Manche würden vielleicht sagen: Verrücktheiten.

Kollender, der mit seiner Familie in Hamburg lebt, ursprünglich aber aus Duisburg stammt, hat bereits 2015 mit der Wiederentdeckung eines historischen Helden brilliert: In dem Kriminalroman „Kolbe“ erweckte er eindrucksvoll den fast vergessenen Widerstandskämpfer Fritz Kolbe zum Leben. Das Buch, ebenfalls aus dem Pendragon-Verlag, liegt mittlerweile in der fünften Auflage vor und wird derzeit für den US-amerikanischen Markt übersetzt. „Kolbe“ war ein großer Erfolg – und auch Meyer könnte ein solcher werden. Warum? Einer von Meyers Kommilitonen sagt einen Satz, der treffender nicht sein könnte: „Eine gut erzählte Geschichte, Ludwig, das ist doch das Beste.“

Andreas Kollender: Von allen guten Geistern, Pendragon Verlag, Bielefeld, 2017, 438 Seiten, broschiert, 17 Euro, ISBN 978-3865325754, Leseprobe

Diese Rezension ist in gekürzter Fassung auch im Wochenendmagazin der Neuen Westfälischen (Samstag/Sonntag, 18./19. März 2016) erschienen.

Verlosung: Gewinnen Sie eines von drei Kollender-Buchpaketen!
Mit diesem Beitrag bricht der Bielefelder Pendragon-Verlag zu einer fünftägigen Blogtour auf: fünf Literaturblogs aus Deutschland beschäftigen sich in unterschiedlichster Art und Weise mit dem neuen Buch von Andreas Kollender. Tag für Tag folgen nun die weiteren Beiträge auf den Blogs „Leckere Kekse“, „Der Buch- und Medienblog“, „Die dunklen Felle“ sowie auf dem Blog „Wortgestalt“. Folgen Sie der Blogtour mit dem Hashtag #KollendersGeister in den sozialen Netzwerken und verpassen Sie keinen Beitrag!

Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Kollender-Buchpakete mit jeweils einem Exemplar von „Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben. Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 17. März 2017 um 23:59 Uhr.

Die drei Gewinner werden aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklären Sie sich mit diesen Bedingungen einverstanden.

Die Spezialität des Pendragon-Verlags aus Bielefeld sind Krimis. Unter den Freunden der Spannungsliteratur ist der Verlag auch deshalb bekannt geworden, weil er angekündigt hat, alle 20 Bände der Dave-Robicheaux-Reihe von US-Autor James Lee Burke zum Teil erstmals auf Deutsch herauszubringen. Außerdem veröffentlicht der Verlag seit 2009 die Werkausgabe von Max von der Grün. Sämtliche Bände der zehnteiligen Werkausgabe sind gebunden erschienen und enthalten weitere Erzählungen, Reportagen und Erinnerungen sowie jeweils ein Nachwort (zur Seitengang-Rezension von Band I der Werkausgabe).

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Philipp Blom stellt seinen neuen Roman vor. © LCM Fotostudio Richard Schuster

Philipp Blom stellt seinen neuen Roman vor. © LCM Fotostudio Richard Schuster

Am dritten Messetag der „Buch Wien“ 2016 habe ich erneut nur zwei Veranstaltungen besucht. Zunächst war der deutsche Autor, Historiker und Journalist Philipp Blom gekommen, um seinen neuen Roman „Bei Sturm am Meer“ vorzustellen. Blom ist mit Bestsellern über die europäische Kulturgeschichte bekannt geworden, viele verbinden mit seinem Namen Sachbücher über die Schlüsselmomente des 20. Jahrhunderts (so etwa „Der taumelnde Kontinent. Europa 1900-1914“). Er hat allerdings auch schon ein Sachbuch über österreichische Weine geschrieben.

„Bei Sturm am Meer“ ist sein dritter Roman. Darin schickt er einen melancholischen Mittvierziger namens Benedikt auf eine überraschungsreiche Reise zu sich selbst. Nach dem Tod seiner Mutter muss der Marketingfachmann feststellen, dass seine Familiengeschichte eine andere war, als er sein Leben lang gedacht hat. Der Roman über zerplatzte Träume und lebenslange Lügen beginnt mit einem Brief, den Benedikt an seinen vierjährigen Sohn schreibt, während er in Amsterdam auf die Urne seiner Mutter Marlene wartet, deren Lieferung sich verzögert.

Benedikt erfährt im Laufe des Buches, dass viele der Lebensgeschichten, die er zu kennen glaubt, nicht stimmen, zum Beispiel dass sein Vater, ein Journalist, im Kampf gestorben sei. Selbstverständlich verbindet Blom die Geschichten von Benedikts Mutter und Großmutter mit den historischen Ereignissen – hier kann der Historiker Realität und Fiktion vermischen. Das sei auch einer der Vorteile beim Romaneschreiben, erklärt er: „In einem Sachbuch muss immer alles so gewesen sein, in einem Roman kann es so gewesen sein.“

„Das wird dann einfach nicht gut“

Aber es gibt auch Nachteile: „Das Romaneschreiben ist nicht lukrativ.“ Außerdem rate er Menschen, die glauben, sie trügen einen Roman in sich, den sie unbedingt aufschreiben müssten, dies nicht am Abend um 23 Uhr zu tun, wenn sie erschöpft von der Arbeit und den familiären Verpflichtungen sind. „Das wird dann einfach nicht gut – man muss sich dafür Zeit nehmen.“ Das erinnert an die Lesung von Cynthia D’Aprix Sweeney („Das Nest“, Klett-Cotta) im Literaturhaus Wien. Dort erklärte sie, sie habe erst am College „eine gewisse Priorisierung im Leben“ gelernt: „Denn wenn man auch noch familiäre Verpflichtungen hat, kann das Schreiben auf der To-do-Liste ganz schnell auf dem letzten Platz landen – ich aber habe gelernt, es ganz nach oben zu setzen.“

Weil das Buch auch viel im Hamburg der 1970er Jahren spielt und Blom dort geboren und aufgewachsen ist, wurde er gefragt, ob „Bei Sturm am Meer“ auch ein wenig die Geschichte seiner Familie erzähle. „Nun“, antwortete Blom, „Menschen, die mich ein bisschen kennen, werden vielleicht sagen: Aha!“ Aber seine Familie sei nicht die im Roman dargestellte Familie, er selbst habe auch andere Themen als der Protagonist seines Romans. „Aber die Geschichte baut vielleicht auf Themen auf, die in unserer Familie spielen.“

Gelesen hat Blom aus seinem aktuellen Buch nicht. Dafür blieb keine Zeit mehr, denn Moderatorin Alexandra Föderl-Schmid (Chefredakteurin des Standard) fragte den Schriftsteller aus aktuellem Anlass nach seiner Meinung zum Brexit und zur US-Wahl. Dafür war Blom nicht nur als Historiker und Journalist ein versierter Gesprächspartner, sondern auch deshalb, weil er ein Jahr in den USA und neun Jahre in England gelebt hat. Teilweise schreibt er seine Bücher auch zunächst auf Englisch und übersetzt sie dann selbst ins Deutsche. „Der Brexit hat mich wirklich überrascht“, sagte er. „Und bei der Wahl von Trump habe ich mich gefühlt, als hätte man mich mit einem Baseballschläger traktiert.“ Er habe gedacht, er schlafe einfach noch und wache irgendwann auf. „Aber das war so nicht.“

Gefährlich bei Wahlen

Manche vergleichen inzwischen die heutige Zeit mit der Weimarer Republik. Das sieht Blom aber nicht so: „Nein, wir leben nicht in der zweiten Weimarer Republik, aber noch eine Wirtschaftskrise wie 2008, dann leben wir in einer Weimarer Republik.“ Gefährlich bei Wahlen und damit auch bei der US-Wahl sei dieses „Irgendetwas muss sich doch ändern“-Gefühl der Wähler. „Auch hier in Europa verlieren die Menschen zunehmend die Hoffnung in die Gesellschaft und die Demokratie“, erklärte Blom weiter.

Von Föderl-Schmid darum gebeten, als Historiker in die Zukunft zu schauen und zu sagen, wie Europa im Jahr 2030 aussähe, antwortete Blom, das gerate wohl eher wie eine Wettervorhersage, denn kleine Faktoren könnten doch alles in eine andere Richtung bringen. „Im Moment sind Kräfte am Werk, die am Zerfall Europas arbeiten. Aber eigentlich hängt alles davon ab, wann das nächste 2008 kommt.“

Philipp Blom: Bei Sturm am Meer, Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2016, 224 Seiten, gebunden, 20 Euro, ISBN 978-3552058101, Leseprobe

Thomas Raab, Bernhard Aichner, Edith Kneifl, Heinz Sichrovsky, Amelie Fried und Veit Heinichen bei der Krimi-Runde. © LCM Fotostudio Richard Schuster

Thomas Raab, Bernhard Aichner, Edith Kneifl, Heinz Sichrovsky, Amelie Fried und Veit Heinichen bei der Krimi-Runde. © LCM Fotostudio Richard Schuster

Am späten Nachmittag schließlich traf sich ein Teil der aktuellen Crème de la Crème der deutschsprachigen Bestseller-Krimi-Literatur zu einer kleinen, vergnüglichen Gesprächsrunde unter dem Thema „Morden wie gedruckt“. Ursprünglich waren nur Thomas Raab, Bernhard Aichner, Edith Kneifl und Veit Heinichen eingeladen. Moderator Heinz Sichrovsky (Kulturchef des österreichischen Wochenmagazins News) hatte jedoch zuvor seine Sendung „erLesen“ für den ORF aufgezeichnet und dort die Schriftstellerin und Moderatorin Amelie Fried zu Gast, die er dann kurzerhand mit in die Runde brachte. Ein Glücksgriff, wie sich später herausstellen sollte.

Was macht einen guten Krimi aus und wie schreibt man ihn? Veit Heinichen hat dafür kein Patentrezept, wohl aber durch jahrelange Recherche ein riesiges Archiv angehäuft. „Irgendwann kommt dann der Gedanke, dass ich mich mit meinen Figuren beschäftige, und dann lasse ich sie aufeinander los – richtige Arbeit ist das nicht, ich folge ja nur meinen Figuren.“

Amelie Fried, die mit ihrem Mann Peter Probst eine Reihe von Kinderkrimis („Taco und Kaninchen“) geschrieben hat, hat nur einen einzigen Krimi für Erwachsene verfasst: „Der Mann von nebenan“ (1999). Kurz zusammengefasst erledigen drei Frauen zusammen einen Nachbarn. Erst versuchen sie es in der Badewanne, doch als sie seine Leiche im Wald beseitigen wollen, ist der Mann gar nicht tot. Ein Schlag mit einem Schraubenschlüssel beendet sein Leben dann doch noch, und die drei Frauen versenken die Leiche im See. Vorlage für den Nachbarn? Frieds tatsächlicher Nachbar, der die Familie so sehr genervt hat, dass sie schon an Umzug dachten. „Dann habe ich dieses Buch geschrieben, und es war die beste Rache meines Lebens.“ Das Buch wurde mit Axel Milberg als böser Nachbar verfilmt, „und ich wohnte in diesem bayerischen Dorf, und jeder wusste, wer gemeint ist“, erzählte Fried. Der Nachbar sei kurz danach weggezogen.

„Ein Traum von Mann“

Die österreichische Autorin Edith Kneifl baut beim Krimischreiben stets eine enge Bindung zu ihren Protagonisten auf. Als ehemalige Tischtennis-Landesmeisterin sei es ihr mal in den Sinn gekommen, dass einer der Männer doch bei einem Tischtennisturnier sterben könnte. „Ich habe eine Figur entworfen, einen Traum von Mann, sage ich Ihnen, der hat mir dann so gut gefallen, dass ich ihn nicht mehr umbringen konnte. Er wurde nur schwer verletzt.“ Und nach einer kurzen Pause: „Aber es sind andere Männer umgekommen.“ Dass ein Autor seine Figuren liebgewinnt, bestätigte auch Bernhard Aichner: „Ich liebe zum Beispiel meine Bestatterin Brünhilde Blum – sie bringt Menschen um.“ Ja, zuweilen ist es recht makaber, wenn sich Krimi-Autoren unterhalten.

Alle fünf Autoren sind zudem Serientäter, ihre Helden oder Mörder tummeln sich also in mehreren Büchern. „Aber wann bekommen diese Kerle ein Ablaufdatum?“, wollte Sichrovsky wissen. Für Thomas Raab hängt das mehr damit zusammen, ob ein Buch seine Leser findet: „Bei meinem ersten Buch habe ich nicht gedacht, dass das jemand lesen würde.“ Für Aichner dagegen war es klar, dass seine Bestatterin nur eine Überlebenszeit von drei Büchern haben würde: „Die kann ich jetzt auch gut ziehen lassen. Es ist zwar reizvoll, das weiterzumachen, weil es sich gut verkauft, aber ich wusste vor dem ersten Buch, wie das dritte aufhört, und danach ist Schluss.“ Kneifl: „Vor allem das Publikum und die Verlage wollen doch Serien – aber ich gebe zu, auch ich kann mich manchmal nicht trennen.“

Und Veit Heinichen? Dem schien eine Frage nicht aus dem Kopf zu gehen: „Ich glaube nicht, dass Amelies Nachbar weggezogen ist.“ Schon hatte Heinichen die Lacher wieder auf seiner Seite. Fried parierte und erzählte, sie und ihr Mann hätten ein Gartenhaus bauen lassen. „Kein Scherz, und die beiden polnischen Bauarbeiter, die von dem nervigen Nachbarn gehört hatten, haben uns angeboten, ihn für 2.000 Euro umzubringen. Und für 4.000 Euro auch die Leiche zu beseitigen.“ Heinichen: „Irgendwer muss mal das Beton-Fundament dieses Gartenhauses überprüfen…“ Wieder Gelächter.

Kürzlich das erste Grab ausgehoben

Auch über die Recherchearbeit für ihre Bücher sprechen die Autoren. Während Kneifl mit einem Arzt verheiratet ist und ihn gern schon am Frühstückstisch fragt, an welchen Körperstellen das meiste Blut spritzt („Mein Mann passt bei meinen Leichen immer auf!“), hat Aichner kürzlich sein erstes Grab ausgehoben: „Das war eine tolle Erfahrung, aber richtig harte Arbeit.“ Und in der Rechtsmedizin in Hamburg sei er bei einer Obduktion dabeigewesen, auch das sei sehr faszinierend gewesen. Raab wiederum recherchiert „Problemfälle“, wie er das nennt. „Ich habe beim Skifahren Schnee von einer Schneekanone ins Gesicht bekommen und dann beim Hersteller angerufen und gefragt, ob das, was vorne rauskommt, rot würde, wenn man hinten jemanden reinsteckt.“ Interessant sei auch gewesen, beim örtlichen Schwimmbad anzurufen und zu fragen, wie lange die Filteranlage braucht, um das Wasser nach einem Haiangriff wieder klar zu bekommen. „Danach wusste ich die ganze Lebensgeschichte des Mann, den ich da angerufen hatte.“ Heinichen: „Die Frage ist, woher wusste der Mann, wie lange die Filteranlage brauchen würde…“

Und welche Krimis würden die Autoren empfehlen, ihre eigenen ausgenommen? Veit Heinichen legt den Lesern Fjodor Dostojewskis „Verbrechen und Strafe“ bzw. „Schuld und Sühne“ (ältere Übersetzungen) ans Herz, Edith Kneifl nennt Patricia Highsmiths „Die zwei Gesichter des Januars“, Bernhard Aichner mag gern die Adamsberg-Reihe von Fred Vargas und Thomas Raab empfiehlt den „Kameramörder“ von Thomas Glavinic.

Bernhard Aichner: Interview mit einem Mörder. Ein Max-Broll-Krimi, Haymon Verlag, Innsbruck, 2016, 288 Seiten, gebunden, 19,90 Euro, ISBN 978-3709971338, Leseprobe

Amelie Fried: Ich fühle was, was du nicht fühlst, Heyne-Verlag, München, 2016, 400 Seiten, broschiert, 16,99 Euro, ISBN 978-3453265905, Leseprobe

Veit Heinichen: Die Zeitungsfrau, Piper-Verlag, 2016, 352 Seiten, gebunden, 20 Euro, ISBN 978-3492057585, Leseprobe

Edith Kneifl: Totentanz im Stephansdom, Haymon Verlag, Innsbruck, 2015, 264 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro, ISBN 978-3709978337, Leseprobe

Thomas Raab: Der Metzger, Droemer Knaur, München, 2016, 336 Seiten, gebunden, 19,99 Euro, ISBN 978-3426281369, Leseprobe

Die „Buch Wien“ 2016 war damit für mich beendet, am Sonntag, dem letzten Messetag, habe ich bereits die Heimreise angetreten. Wie in den vergangenen Jahren werde ich in den nächsten Tagen noch ein persönliches Fazit liefern. Einigermaßen sicher aber ist schon, dass ich auch im nächsten Jahr wieder von der „Buch Wien“ berichten werde. Bleiben Sie mir gewogen!

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Blaue NachtTreffen sich ein österreichischer Auftragskiller, ein albanischer Drogenboss und eine Hamburger Staatsanwältin… So könnte ein schlechter Witz beginnen. Simone Buchholz‘ „Blaue Nacht“ ist weder Witz noch schlecht. Ihr neuster Wurf ist schlichtweg einer der besten Krimis dieses Frühjahrs. Völlig zu Recht hat er es im Mai auf der Bestenliste der Wochenzeitung „Die Zeit“ von Null auf Platz eins geschafft.

Die Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley hat es nun wirklich nicht leicht. Zum einen ist sie als Halbamerikanerin mit dem furchtbaren Vornamen geschlagen, der immer noch partout falsch verstanden wird. Zum anderen aber ist sie mittlerweile zur Opferschutzbeauftragten degradiert worden, nachdem sie einen Vorgesetzten der Korruption überführt und einem Gangster die Familienplanung unmöglich gemacht hat. Cojones hat der jedenfalls allerhöchstens noch im übertragenen Sinne.

Ihr neuster Fall ist von drei üblen Jungs regelrecht fertig gemacht worden. Kaum ein Knochen ist nicht gebrochen, den rechten Zeigefinger hat er, schnipp-schnapp, gleich ganz verloren. Der Mann ohne Namen liegt im Krankenhaus, und ausgerechnet Riley soll nun rausfinden, wer das ist, und wer den Mann so zugerichtet hat. Der aber schweigt beharrlich und lässt sich nur durch die beherzte Astra-Zufuhr erweichen, überhaupt mal mit ein paar Infos rüberzuwachsen. Dadurch kommen Riley und ihre Kollegen einem Ganoven auf die Schliche, der seit Jahren unbehelligt sein Unwesen in der Hamburger Unterwelt treibt, weil er in den Mächtigen der Stadt ebensolche Schutzpatrone hat.

Starke Sprache

Was diesen Roman vor allem so stark macht, ist die Sprache. Was ist das nur für eine Autorin, die so kiezig, so lakonisch, so raubeinig schreibt, dann aber wieder so melancholische Bilder findet? Wer schöne Wörter und Ausdrücke sammelt, kann in „Blaue Nacht“ ein wahres Sammelsurium entdecken. „Der Mond hängt vor meinem Fenster, er ist drauf und dran, sich zu halbieren, und der Hafenstaub hat auch noch einen seiner speziellen Filter draufgepackt. Er sieht aus wie eine große, gelbe Kartoffel.“ Aus Fenstern „kullert gelbes Licht“, in Wohnungen hausen Menschen mit Namen „wie schlechtes Wetter: Niesgrau und Tuschrack“ und „im Hintergrund biegen sich ein paar unerhört magere Birken im Wind nach rechts. Industriegebietsbaumbestand.“

Und der Hamburger Lokalkolorit kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz. Allenortens wird Astra gereicht, die Reeperbahn, St. Pauli, die Hafenfähren, die Elbphilharmonie finden ihren Weg in die Geschichte. Und wie schon in Heinz Strunks „Der goldene Handschuh“ ist auch bei Simone Buchholz eine Kiezkneipe einer der wesentlichen Schauplätze ihres Romans. Da wird nach allen Regeln der Kunst gesoffen, und auch Riley langt kräftig zu. Die „Blaue Nacht“ gibt es übrigens wirklich, eine Fußballkneipe, in einer Parallelstraße zur Reeperbahn. Und wie bei Buchholz dudelt auch hier regelmäßig die Jukebox.

Gefühlt ist Riley wirklich mehr in der Kneipe als mit dem Fall beschäftigt, und manchmal möchte man sie am Kragen aus der Kneipentür schleifen und sagen: Mädchen, nun mach doch mal, die Spannung lässt nach. Und schon hat er dich selbst gepackt, der Roman, denn du bist drin im Plot, du willst, dass Riley den Kopf von der Theke nimmt und die Ermittlungen vorantreibt. Etwas Besseres kann einem Roman und seinem Leser doch gar nicht passieren als die unmittelbare Nähe zur Protagonistin! Denn schon wenig später möchte man sich auch allzu gern auf einen leeren Hocker an der Theke schwingen und zwei weitere Astra bestellen, eins davon für Riley.

Crystal Meth und der neue Wahnsinn namens „Krok“

Das Subthema, die Modedroge Crystal Meth und der neue Wahnsinn namens Krokodil („Krok“), kommen dafür leider etwas zu kurz. Die Darstellung von Drogenabhängigen hätte im Vergleich zur übrigen Gewaltdarstellung etwas drastischer sein können. So wirkt Rileys Reaktion, als sie zum ersten Mal Krok-Abhängige sieht, etwas dürftig, blass, verhalten, wohl auch ungewöhnlich naiv für eine Staatsanwältin ihres Schlags: „Ich kann mich nicht bewegen und ich kann nichts sagen. Ich möchte: schreien. Weinen. So was darf es einfach nicht geben.“ Das ist eine Kleinmädchenrechnung. Und was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

„Blaue Nacht“ ist der sechste Teil der Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley, und man kann mit Fug und Recht behaupten, es ist auch der beste Teil bisher. Gelesen haben muss man die vorherigen Romane zum Verständnis nicht. Aber es schadet natürlich auch nicht. Möglicherweise war es für Buchholz ein geschickter Schachzug, für den neuen Band vom Verlag Droemer Knaur zu Suhrkamp zu wechseln. Die Aufmerksamkeit derzeit ist riesig. Möge sie noch lange anhalten und uns weitere so hervorragende Riley-Krimis besorgen. Noch ein Astra für uns zwei, Chastity?

Simone Buchholz: Blaue Nacht, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2016, 238 Seiten, broschiert, 14,99 Euro, ISBN 978-3518466629, Leseprobe, Lesung bei zehnseiten.de, Simone Buchholz im Gespräch mit Ralf Grauel

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Halbe Stunde„Früher konnte ich mich auch mal ausruhen, aber jetzt muss ich immer stehen und kucken, ob die Polizei kommt“, sagt Faghira. Sie ist 23 Jahre alt und arbeitet in einem Stundenhotel im Hamburger Stadtteil St. Georg. Die Fotografin Tanja Birkner hat sich dort drei Jahre lang mit Menschen aus der Prostitution getroffen und sie interviewt. Daraus ist das überzeugende Fotoprojekt „Halbe Stunde“ entstanden, eine Sammlung aus nahe gehenden Porträts in Text und Foto, vorurteilsfrei, respektvoll und nie voyeuristisch. Zunächst war es nur eine Ausstellung, jetzt sind die sensiblen Porträts auch als Buch erschienen.

Faghira heißt nicht wirklich Faghira. Es stimmt aber, dass sie aus Bulgarien kommt, dass sie erst seit zwei Jahren in Hamburg ist, und dass sie nicht nur in einem Stundenhotel arbeitet, sondern auch dort wohnt. Sie hat keine Papiere, denn dazu braucht sie eine Adresse, eine Wohnung. Dafür aber hat sie kein Geld, denn das wenige, das sie verdient, gibt sie für Verpflegung und ihr Zimmer aus. 40 Euro kostet das pro Tag. „Ich finde diese Arbeit nicht gut, aber ich weiß keine andere“, sagt sie.

Tanja Birkner hat ihr Gesicht von der Seite fotografiert. Hinter den langen dunklen Haaren lassen sich Mund und Nase erahnen, in der Hand hält Faghira eine Zigarette. Zwei Seiten weiter steht sie auf einer hölzernen Hängebrücke eines leeren Kinderspielplatzes, dem Betrachter hat sie den Rücken zugewandt. Das nächste Foto zeigt Faghiras Arbeitsplatz: Ein karges Zimmer, ein quadratisches Bett mit rosa Laken, darüber ein kleineres, weißes Laken, darauf ein rosa Handtuch. Am Kopfende ein aufgestelltes, weiß bezogenes Kissen, am Fußende eine Schachtel mit Taschentüchern. Links und rechts ein Nachttisch.

„Ich wusste, alles ist besser als zu Hause“

In „Halbe Stunde“ kommen die Porträtierten selbst zu Wort. Es ist nicht Tanja Birkner, die über sie schreibt, sondern die Menschen erzählen in der Ich-Form von ihrem Leben, ihrer Arbeit, ihren Wünschen und Ängsten sowie von ihrem Blick auf die Welt. So lernt man auch Mariam kennen, die beschreibt, wie sie mit 15 Jahren nach St. Georg gekommen ist, geflüchtet aus einer Familie, in der beide Elternteile schwere Alkoholiker waren. „Ich wusste, alles ist besser als zu Hause. Ich bin dann direkt in die Szene.“ Sie nimmt Drogen, ihr Leben klettert auf und ab, sie infiziert sich mit HIV.

Um sie herum hat sich die Prostitution verändert. Der Hamburger Senat erklärte St. Georg im Jahr 1980 zum Sperrbezirk. Straßenprostitution ist dort nicht mehr erlaubt. Wer dennoch von der Polizei erwischt wird, muss heute mit Bußgeldern von mindestens 200 Euro rechnen. Seit 2012 gilt ein zusätzliches Kontaktverbot. Seitdem kann die Polizei auch die Freier empfindlich bestrafen. Die Folge: Viele bleiben weg, die Preise sinken, das Arbeitsumfeld für die Prostituierten wird schwieriger und gefährlicher. Derweil wandelt sich auch der Stadtteil, der Hansaplatz wird renoviert, immer mehr neue Wohnungen entstehen. Mariam sagt: „Die Stundenhotels sind in Wohnungen umgewandelt worden, und die neu Hinzugezogenen rümpfen die Nase über uns.“

In ihrer Freizeit geht Mariam gerne ins Gewächshaus im Park Planten und Blomen, sie liest dort oder spielt mit ihrem Gameboy. „Im Gewächshaus gibt es eine Agave, die wächst aus dem Dach. Sie ist jetzt vierzig Jahre alt, wird diesen Sommer blühen und dann sterben“, erzählt sie. Mariam ist nicht mehr Vierzig geworden. Birkner notiert am Ende des Porträts: „Mariam starb im Januar 2015 an den Folgen ihrer Erkrankung.“

Veröffentlichung im Sinne der Beteiligten

Alle Porträtierten haben ihre Texte gegengelesen und konnten sie auch noch ändern, bevor sie veröffentlicht wurden. Auch bei den Fotos gab es ein Mitspracherecht. „So konnte ich sicher sein, dass die Veröffentlichung im Sinne der Beteiligten und der Idee des Projektes ist“, erklärt Tanja Birkner auf Anfrage von Seitengang. Voraussetzung für die Auswahl der porträtierten Menschen sei zunächst ein erstes Gespräch gewesen, in dem über die Idee, Zweifel und die Tragweite des Projektes gesprochen worden sei. „Dafür brauchte es dann manchmal auch die Unterstützung von Sozialpädagogen oder Dolmetschern.“

„Halbe Stunde“ ist konzeptionell hervorragend gestaltet. Auffällig ist zunächst der nur leicht durchsichtige Schutzumschlag, der die Farben des darunter liegenden Fotos abschwächt und ins Diffuse stellt. Wer den Band dann öffnet und zum ersten Porträt blättert, entdeckt auf der rechten Seite ein erstes Foto, auf der linken Seite nur den Namen, das Alter und ein Zitat. Darunter verweist eine Seitenzahl auf das Gesagte, das sich stets im hinteren Teil des Buches finden lässt. So gerät man unweigerlich in andere Fotos und andere Porträts, bevor man schließlich das Gesuchte liest. Von dort zeigt ein weiterer Seitenhinweis an, von welcher vorderen Seite man denn nun gekommen ist. Oder auf welcher Seite die Fotos zum Gesagten stecken, falls man sich vorher von anderen Worten hat ablenken lassen.

Man sollte sich, wie für einen Galeriebesuch, Zeit nehmen. Denn der Leser hält nicht nur eine beeindruckende Fotoausstellung in den Händen, sondern vor allem 16 Lebensgeschichten. Darunter sind zum einen die Zeugnisse der Frauen und Männer aus der Armutsprostitution, aber auch Tamara, Inhaber des Gay-Clubs „La Strada“, stellt seine Sicht dar. Oder der 23-jährige Jan, der als Escort arbeitet. Oder auch die selbstbewusste Domina Undine de Rivière, die das Prostitutionsgesetz zum Thema macht. Hier verändert sich auch die Wortwahl. Statt des Begriffs „Prostituierte“, der sich für manch einen so gut in Schubladen stecken lässt, sagt sie „Sexarbeiterinnnen“ und „Sexarbeiter“: „Wir wollen, dass unsere Arbeit anerkannt wird, was sie offiziell leider immer noch nicht ist.“ Nach wie vor fehle es an der gesellschaftlichen und politischen Anerkennung, stattdessen würden „verschiedene Seiten das Ganze am liebsten kriminalisieren“.

Intensive Auseinandersetzung

Wie sieht Tanja Birkner selbst inzwischen die Prostitution, vor allem die Armutsprostitution? „Durch die intensive Auseinandersetzung ist mir die Komplexität des Themas bewusst geworden“, erklärt sie gegenüber Seitengang. „Deshalb war es mir wichtig, möglichst viele unterschiedliche Facetten von Prostitution zu zeigen, wie zum Beispiel männliche und weibliche Prostitution, selbstbewusste Prostitution und auch Armutsprostitution, ohne zu bewerten oder zu stigmatisieren.“

Dass die Arbeit an der Porträtserie mitunter sehr schwierig war, es auch Einbrüche und Hindernisse gab, verhehlt sie nicht: „Es gab viele Momente, in denen ich kurz davor stand, das Projekt abzubrechen, weil es sich schwierig gestaltete – auch auf Grund des Kontaktverbots in St. Georg, das durch eine hohe Polizeipräsenz im Stadtteil durchgesetzt wird.“ Das sei keine gute Voraussetzung gewesen, Menschen dazu zu bewegen, über ihre Arbeit als Prostituierte zu erzählen und sich porträtieren zu lassen. „Einige der Menschen habe ich über den gesamten Zeitraum hinweg ein Stück weit begleitet und sie mich.“ Manche habe sie am Anfang getroffen, dann wieder aus den Augen verloren und nach zwei Jahren wieder getroffen. Andere seien am Anfang unsicher gewesen und hätten Zweifel gehabt, ob sie sich am Projekt beteiligen wollen. „Im Laufe der Zeit gab es die Möglichkeit, immer wieder in Kontakt zu kommen und über Unsicherheiten zu sprechen – so hat sich die Idee immer weiterentwickelt und auch die Beziehungen selbst“, erzählt sie.

Gestoßen ist sie auf das Thema schon deshalb, weil die Prostitution in Hamburg so sichtbar sei und mitunter sogar als Werbung für die Toleranz und Freizügigkeit der Stadt diene. „Aber Klischees und Mythen erschweren einen vorurteilsfreien Blick auf die Menschen, die sich prostituieren“, sagt Birkner. „Es gibt wenig Bilder, die von den Menschen selbst erzählen und die die Vielschichtigkeit des Themas beleuchten. Im Rahmen meines Projekts ging es mir genau um diese Vielschichtigkeit.“

Faible für Porträtserien

Tanja Birkner hat ein Faible für Porträtserien. Zuletzt hat sie sich im Projekt „Kleine Freiheit“ mit der Parallelstraße der Großen Freiheit in Hamburg beschäftigt und die Betreiber von alten Handwerksbetrieben und neuen Kreativschuppen porträtiert. Davor zeigte sie in „Xpac“ junge Flüchtlinge, die im Hamburger Stadtteil Billstedt leben, einem sozialen Brennpunkt der Stadt. Und 2004 fotografierte sie junge Frauen aus unterschiedlichen Kulturen mit und ohne Kopftuch. Dazu schreibt sie auf ihrer Webseite: „Die Portraits geben keinen eindeutigen Aufschluss über persönliche und kulturelle Hintergründe der Frauen. Dies soll so sein, um eine möglichst große Vielfalt an Bedeutungen – fern von Festlegungen – sichtbar zu machen.“

Eine möglichst große Vielfalt an Bedeutungen, die zeigt Birkner auch in „Halbe Stunde“. Fernab aller Klischees und Vorverurteilungen, stattdessen behutsam und mit Respekt. Ein Glossar klärt zudem über die wichtigsten Begriffe, Orte und Bars auf, die in den Texten erwähnt werden. Das ist hervorragend gemacht! Die Ausstellung ist weiterhin buchbar, und ihr ist zu wünschen, dass auch andere Galerien noch darauf aufmerksam werden und bereit sind, das Projekt zu zeigen.

Tanja Birkner: Halbe Stunde, Sieveking-Verlag, München, 2015, 160 Seiten, 75 Abbildungen, broschiert mit Schutzumschlag, 35 Euro, ISBN 978-3944874289, Sichtprobe, Webseite der Fotografin, Video-Trailer zum Fotoprojekt

Seitengang dankt dem Sieveking-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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DeleteErinnern Sie sich an den Film „Die Matrix“ der Wachowski-Geschwister? Bestimmt. Aber können Sie auch mit dem Fassbinder-Film „Welt am Draht“ noch etwas anfangen? Gemein haben diese Streifen, dass ihre Hauptpersonen mit einem Mal feststellen, dass sie nur Simulationen in einer Computerwelt sind. In Karl Olsbergs neuem Thriller „Delete“ scheint sich die Matrix plötzlich über Berlin zu legen. Ein interessantes und zugleich spannendes Gedankenspiel.

Vier Studenten werden in Berlin vermisst. Sie alle haben dasselbe Online-Rollenspiel gespielt: World of Wizardry (Genrekenner werden das Vorbild dafür schnell erahnen). Mina Hinrichsen steuert gerade ihre Halb-Ork-Kriegerin durch die virtuelle Welt, als plötzlich die Spielfigur eines Freundes „O mein Gott, es ist wahr!“ und „Welt am Draht! Alles ist wahr!“ ruft, stehen bleibt und sich fortan nicht mehr rührt.

Mina versucht, den Freund in der realen Welt zu erreichen und eine Erklärung für dessen mysteriöses Verhalten zu bekommen, aber Thomas reagiert weder auf Telefonanrufe noch auf Sturmklingeln an der Tür. Seine Eltern haben nichts von ihm gehört, Freunde und Kommilitonen ebenfalls nicht.

Von Thomas fehlt jede Spur

Mit einer Finte gelangt Mina in Thomas‘ Wohnung und entdeckt, dass er offensichtlich ohne Schlüssel die Wohnung verlassen hat. Die Vorhänge sind zugezogen, das Bett nicht gemacht, und der Laptop läuft noch. Doch von Thomas fehlt jede Spur. Aus einem Reflex heraus nimmt Mina von Thomas‘ Nachttisch das Buch „Simulacron-3“ von Daniel F. Galouye mit – Vorlage für den Film „Welt am Draht“ von Rainer Werner Fassbinder.

Galouyes „Simulacron-3“, Fassbinders „Welt am Draht“, „Die Matrix“ der Wachowski-Geschwister, aber auch Roland Emmerichs „The 13th Floor“, Platons Höhlengleichnis oder René Descartes‘ „Cogito ergo sum“ – sie alle haben die simulierte Realität zum Thema. Mina recherchiert und stößt dabei aber nur auf immer mehr offene Fragen.

Wie es der Zufall – oder vielmehr: der Autor – will, steht in Berlin die „Sonderermittlungsgruppe Internet“ des LKA kurz vor dem Ende, wenn sie nicht endlich beweist, dass sie doch zu etwas nutze ist. Ihr neuer Leiter Adam Eisenberg ist soeben von Hamburg nach Berlin gewechselt und muss ein Team von höchst eigenwilligen Einzelgängern zu einer Einheit formen. Einer von ihnen, Benjamin Varnholt, erfährt während seiner verdeckten „Ermittlungen“ in World of Wizardry (tatsächlich hatte er bislang nichts zu tun und spielt deshalb während der Arbeit lieber Computer) von Minas Recherchen.

Fall aus einem Computerspiel

Hauptkommissar Eisenberg ist zunächst noch skeptisch, ob ein Fall aus einem Computerspiel tatsächlich der richtige Beweis für die notwendige Existenz der Ermittlungsgruppe ist. Er ändert seine Meinung aber, als bekannt wird, dass nicht nur Mina Hinrichsen ihren Kommilitonen in der realen Welt als vermisst gemeldet hat, sondern dass alle anderen drei verschwundenen Studenten ebenfalls polizeilich als vermisst gemeldet sind. Und plötzlich ist auch Mina wie vom Erdboden verschluckt.

Ist Mina – wie wir alle – nur ein simulierter Mensch in einer simulierten Welt und von einem Admin oder einem allmächtigen Schöpfer gelöscht worden, weil sie der Wahrheit zu nah kam? Und teilt sie das Schicksal mit den anderen vier vermissten Studenten? Oder ist ein Serienmörder am Werk?

Karl Olsberg verwebt die philosophischen Fragen unserer Existenz zu einem spannenden Technikthriller. Wer sich darauf einlassen kann, wird auch durch Olsbergs lesenswertes Nachwort interessante Anregungen für weitere Recherchen und Überlegungen zu diesem Thema bekommen. Auch Olsbergs Blog ist zu empfehlen. Dort gibt es schon die ersten zwei ergänzenden Kurzgeschichten zum Roman „Delete“ zu lesen. Die dritte soll im August erscheinen.

Karl Olsberg ist vom Fach

Karl Olsberg, der mit seinem Pseudonym seiner Heimatstadt im Sauerland ein würdiges Denkmal setzt, ist vom Fach: Er promovierte über Anwendungen künstlicher Intelligenz, war Geschäftsführer und Gründer zweier Unternehmen in der New Economy und wurde von der Wirtschaftswoche mit dem „eConomy Award“ für das beste Start-up im Jahr 2000 ausgezeichnet. Auch andere Bücher von ihm beschäftigen sich mit der Computerwelt („Das System“, „Rafael 2.0“, „Schöpfung außer Kontrolle“).

Und so geht’s auch weiter, denn die „Sonderermittlungsgruppe Internet“ (SEGI) darf weitermachen. Auf Anfrage von Seitengang erklärt Olsberg: „Ich bin gerade dabei, die erste Rohfassung des zweiten SEGI-Romans abzuschließen, der im nächsten Frühjahr im Berlin Verlag erscheinen wird. Worum es in dem Buch geht, verrate ich noch nicht.“ Ob und wenn ja, wie viele weitere SEGI-Geschichten dann noch folgen werden, sei ungewiss und hänge auch vom Erfolg der Bücher ab. „Aber Ideen habe ich noch“, sagt Olsberg.

Sind wir real? Ist die Welt, in der wir leben, real? Oder ist das alles nur ein groß angelegtes Computerexperiment? Sind Déjà-vus wirklich Fehler in der Matrix? Zu diesen Gedankenspielen muss man bereit sein, wenn man Olsbergs Thriller mit Freude lesen möchte. Den Rest erledigen wechselnde Perspektiven und interessant angelegte Personen, die Entwicklungspotential haben und nicht an üblichen Kommissar-Klischees leiden. Das ist keine hochtrabende Literatur, aber spannende Unterhaltung mit interessanten Gedankenspielen. Fortsetzung folgt? Ja, bitte!

Karl Olsberg: Delete, Berlin Verlag, Berlin, 2013, 461 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3833309397, Leseprobe

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Das Ende der EnthaltsamkeitDas „Golem“ ist eine Bar am Hamburger Fischmarkt, eine vorübergehende Heimstatt für all jene Individuen, die Getränke mit feinen Ingredienzien meist alkoholischer Natur zu schätzen wissen und darüberhinaus eigenwillige Mixturen unterschiedlichster Musikeinflüsse tanzbar finden. Das „Golem“ ist ein Geheimtipp für die Bonvivants und Hedonisten dieser Welt. Das könnte sich ändern. Denn jetzt ist „Das Ende der Enthaltsamkeit“ erschienen. Ein Buch übers Bars, Cocktails, Selbstermächtigung und die Schönheit des Niedergangs, wie es im Untertitel heißt. Ein „Golem“-Buch für die „Golem“-Fanatikerinnen und -Liebhaber und solche, die dazu veranlagt sind.

Wer das „Golem“ betritt, sofern er überhaupt den Eingang findet, könnte meinen, Nick Charles müsse einst zum Stammpublikum gehört haben, dermaßen gekonnt werden dort alkoholische Getränke zubereitet. Nick Charles, Hauptfigur der „Dünne Mann“-Filme aus den 30er Jahren, erklärt in einer Szene von „The Thin Man“ (1934) einem Barkeeper: „The important thing is the rhythm. Always have rhythm in your shaking. Now, a Manhattan you shake to fox-trot time, a Bronx to two-step time, a dry martini you always shake to waltz time.“ (Deutsche Fassung: „Das Allerwichtigste beim Mixen ist der Rhythmus. Auf den müssen Sie unbedingt achten. Ein Manhattan wird selbstverständlich im Fox-Rhythmus gemixt. Und ein Bronx im Two-Step-Rhythmus. Und ein Dry Martini im langsamen Walzertempo.“)

Das Mixen müsste Nick Charles den Barkeepern im „Golem“ nicht mehr beibringen – das beherrschen sie. Nein, Nick Charles würde an der Bar lehnen, einen Dry Martini nach dem anderen trinken und in einem mysteriösen schwarzen Büchlein blättern, das man ihm verschwiegen zugeschoben hat. Ein Leineneinband mit Goldprägung, innen dann und wann illustriert, ein goldenes Lesebändchen zwischen den feinen Seiten.

So wahnwitzig und abgedreht

Es ist ein lesenswertes Panoptikum des Hochprozentigen, das Anselm Lenz, Mitbegründer und Hausdichter des „Golem“, und Betreiber Alvaro Rodrigo Piña Otey auf 270 Seiten versammelt haben. 21 Autorinnen und Autoren, viele von ihnen Gäste der Bar, sorgen mit ihren Beiträgen für mehr oder minder gehaltvolle Unterhaltung, ja, sogar Belehrung. Manches steigt zu Kopf, anderes ist so wahnwitzig und abgedreht, dass es nur im Alkoholrausch zu Papier gebracht worden sein kann. Im Präludium geben die Herausgeber zu bedenken, dass das „Buch als virulente Klolektüre verstanden werden“ will, „im besten Falle noch als Vademecum für Fragen abgehobener und in Schönheit bruchgelandeter Saufkultur“.

Nicht zu ernst nehmen also? Vielleicht. Distanzierte Neugier scheint angebracht, um nicht verschreckt das Büchlein wieder schließen zu müssen. Erwarten Sie nichts, aber lassen Sie sich darauf ein. Laden Sie Freunde zu einem Abend der Alkoholgenüsse, bieten Sie Rauchwaren an und lassen Sie reihum Auszüge aus dem Buch vortragen. Es wird Wirkung zeigen. Ob Heinz Strunk Trinker gegen Abstinenzler antreten lässt, Thomas Ebermann darüber nachdenkt, was Herbert Marcuse Ihnen wohl mitzuteilen hätte, verkehrten tatsächlich Hedonisten im „Golem“, „Tocotronic“-Sänger Dirk von Lowtzow den Song-Text von „Ich will für dich nüchtern bleiben“ beisteuert, der gute Tino Hanekamp einen „Selbstversuch ohne Saufen“ macht, der Künstler und Philosoph Fahim Amir sich dem Thema „Tiere und Alkohol“ widmet oder der Theaterregisseur Nis-Momme Stockmann vom „Prisma-Katapult (Lord der Einhörner)“ erzählt, lassen Sie sich bloß darauf ein!

Lassen Sie sich auch darauf ein, weil sie am Ende von sieben Zirkeln mit einem Appendix belohnt werden, der Ihnen nicht nur bei der Ausstattung und Einrichtung des heimischen Saufkabinetts behilflich sein will (sofern Sie über entsprechende Barmittel verfügen), sondern Sie auch in einige Cocktail-Rezepte des „Golem“ einweiht, die bisher argwöhnisch unter Verschluss gehalten worden sind. Den „Golem“-Fanatikerinnen und -Liebhabern sind die meisten der Rezept-Offenbarungen schon aus den Newslettern „Golem Cogitationes“ bekannt, die Anselm Lenz höchstselbst in regelmäßigen Abständen verfasst. Hier sind sie teilweise gekürzt, bearbeitet und erweitert worden, was sie nicht weniger erhellend macht.

„Was wären wir ohne den magischen Zaubertrank“

Ist das nun bedenklich, ein Buch zu empfehlen, das vom Alkohol handelt und die gepflegte Trinkkultur propagiert? Die Herausgeber versuchen im Präludium einen ersten Vorstoß: „Ist es nicht der Rausch, der kulturelle Höchstleistungen, allen Fortschritt und dazu die Liebe zuerst ermöglicht und bedingt? Was wären wir ohne den magischen Zaubertrank, der, zumindest für einen heidnischen Moment, geeignet ist, uns der rationalen Authentizität unserer beknackten, unbefriedigenden und letztlich doch auch immer nutzlosen Tätigkeit zu entheben?“ Ganz so einfach lassen sich Alkoholgegner aber wohl nicht überzeugen. Wie andere Genussmittel kann auch Alkohol zu einer Sucht führen.

Der Nutzen eines Buchs wie „Das Ende der Enthaltsamkeit“ lässt sich angesichts der Alkoholismusstatistiken nur schwer begründen. Allenfalls kann es dann noch als Kompendium herhalten, wozu Alkoholgenuss auch führen kann. Die Genießer recken das Büchlein in die Höhe und verweisen auf gepflegte Gespräche, philosophische Betrachtungen, die ohne den entfesselnden Geist des Hochprozentigen nicht gedacht worden wären. Aber fürwahr: Bei dem einen oder anderen Text wird sich der Leser fragen, ob der Autor nicht etwas zu tief ins Glas geschaut hat und ihm eine nüchterne Betrachtungsweise besser zu Gesicht gestanden hätte.

Es gibt keine Lösung. „Der Mensch ist frei“, schrieb Clemens Brentano. „Er kann sein Teil sich wählen.“ Dann wähle er: „Das Ende der Enthaltsamkeit“, das Lustwandeln und verschmitzte Lesevergnügen – oder eines der vielen anderen Bücher auf dem Markt.

Anselm Lenz / Alvaro Rodrigo Piña Otey (Hrsg.): Das Ende der Enthaltsamkeit, Verlag Lutz Schulenburg (Edition Nautilus), Hamburg, 2013, 270 Seiten, gebunden, mit Lesebändchen, 19,90 Euro, ISBN 978-3894017743

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