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Die Messe Wien am Abend. © Christian Lund

Die Messe Wien am Abend. © Christian Lund

Vor einer Woche endete die diesjährige Internationale Buchmesse „Buch Wien“. Auch in diesem Jahr konnten die Veranstalter einen neuen Besucherrekord verbuchen: Rund 43.000 Besucher sind in die Wiener Messehalle gekommen (2015: rund 40.000). Mit mehr als 400 Veranstaltungen auf der Messe und in ganz Wien, Tausenden Neuerscheinungen und erstmals Ausstellern aus 18 Nationen (und damit so international wie nie) bot die Buch Wien auch im Jahr 2016 wieder ein vielfältiges Programm. Deutlich spürbar war der Zuschauerzuwachs bei der „Langen Nacht der Bücher“ am Mittwochabend sowie am Wochenende. Programmdirektor Günter Kaindlstorfer sagte dazu: „Ich bin überglücklich. Für uns ist der Erfolg der ‚Buch Wien 16‘ ein Ansporn, nächstes Jahr eine noch grandiosere Messe auf die Beine zu stellen.“

Ja, die „Buch Wien“ macht sich – ein wenig. Habe ich im vergangenen Jahr noch kritisiert, dass die Qualität des Programmhefts zu wünschen übrig lässt, weil sich darin etwa kein Autoren- und Ausstellerverzeichnis findet, ist letzteres zumindest inzwischen behoben worden. Sogar unterteilt nach Themenbereichen lässt sich hier der gesuchte Aussteller leicht finden. Am Autorenverzeichnis aber mangelt es noch immer. Damit nicht genug, denn im Vorjahr gab es das immerhin noch online – in diesem Jahr nicht mal mehr das.

Dafür aber, und das muss man lobend hervorheben, ist es den Veranstaltern in diesem Jahr zum ersten Mal gelungen, den Pressevertretern und Bloggern von Anfang an einen Zugang zum Messe-WLan zu verschaffen. In den vergangenen Jahren hatte das noch für wunderliche Verzögerungen gesorgt.

Verkürzte Lesefestwoche

Nicht zu verstehen ist dagegen wiederum die Entscheidung, die Lesefestwoche zu verkürzen. In den Jahren 2013 und 2015 (2014 war Seitengang nicht in Wien) wurde jeweils am Montag die Lesefestwoche mit einer besonderen Lesung eröffnet – in diesem Jahr hat man darauf verzichtet. Zwar fanden ab Mittwoch auch am Abend Lesungen in Wien statt, aber von einer Lesefest-„Woche“ konnte nun nicht mehr die Rede sein. Schade!

Zum anderen fiel in diesem Jahr auf, dass die Veranstalter versucht haben, den Sonntag zu einem besonderen Publikumsmagneten zu machen – der nochmalige Besucherrekord gibt ihnen wohl Recht. Denn das Messeprogramm sah für den Sonntag gleich mehrere Publikumslieblinge vor, darunter Bernhard Aichner, Marjana Gaponenko, Thomas Raab, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Dirk Stermann und nicht zuletzt Ela Angerer. Dahingegen waren die anderen Messetage überraschend dürftig besetzt, wenngleich ich auch hier einige interessante Bücher und Autoren kennengelernt habe.

Sehr beeindruckend war die Festrede der gebürtigen Ungarin Terézia Mora sowie die Lesung aus ihrem Erzählband. Mora hatte in ihrer Eröffnungsrede zum Thema „Sätze und Menschen“ die Migration von Menschen und literarischen Texten verglichen: „Tatsache ist: Sobald ein Satz in der Welt ist, wird er migrieren.“ Ähnlich eindrucksvoll gelangen die Lesungen von Catalin Dorian Florescu sowie Cynthia D’Aprix Sweeney. Letztere brachte sogar noch den deutschen Schauspieler Johann von Bülow („Nach fünf im Urwald“, „Tatort“, „Mord mit Aussicht“) mit. Der las die deutsche Übersetzung ihres Buches („Das Nest“) in einer Vortrefflichkeit, dass es eine wahre Freude war, ihm zu lauschen.

Überschaubar und angenehm

Die „Buch Wien“ hat sich hier und da gemausert, jedoch an anderen Stellen auch verloren. Dennoch ist und bleibt die Wiener Buchmesse herrlich überschaubar, angenehm und familiär. Deshalb wird Seitengang voraussichtlich auch im nächsten Jahr wieder von der „Buch Wien“ berichten. Bleiben Sie mir gewogen!

Tipp: Lesen Sie hier nochmal alle Berichte der „Buch Wien“ 2016, 2015 und 2013.

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BW15LogoSeitengang fährt in diesem Jahr endlich wieder zur Internationalen Buchmesse nach Wien. Vom 9. bis 15. November berichtet dieser Blog direkt aus Wien über Lesungen, Autoren und Verlage sowie über die begleitende Lesefestwoche. Seit Donnerstag ist das Programm bekannt – und das kündigt mehr als 450 Lesungen, Diskussionen und Performances an.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Messe wird der Verständigung zwischen den Kulturen gewidmet sein. Das erklärte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, bei der Programmpräsentation. „Bücher spielen eine tragende Rolle, um die brisanten Themen der Zeitgeschichte sachlich fundiert diskutieren zu können“, sagte er. „Es ist uns in so bewegten Zeiten ein
großes Anliegen, beim größten Buchfestival Österreichs darauf hinzuweisen, wie wichtig Bücher und Bildung für Integration sind. Ich wünsche mir, dass sich heuer noch mehr Menschen als bisher von dieser Wirkung, die neue wie alte Bücher haben, faszinieren und gewinnen lassen.“

Programmdirektor Günter Kaindlstorfer sieht einen weiteren Schwerpunkt der „Buch Wien 15“ im Bereich des politischen Sachbuchs: „Von Colin Crouch und Tomáš Sedláček bis hin zu Orlando Figes, Ahmad Mansour und Jörg Baberowski – wir holen eine Reihe internationaler Stars nach Wien, um über die brennenden Fragen der Zeit zu diskutieren.“ Der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček wird auch die Ehre haben, am 9. November die Lesefestwoche zu eröffnen. Im Gespräch mit Renata Schmidtkunz (ORF) wird er Einblicke in sein neues, mit dem Wirtschaftsjournalisten Oliver Tanzer verfasstes Werk „Lillith und die Dämonen des Kapitals“ geben.

Adolf Muschg über die Zukunft des Lesens

Die offizielle Eröffnungsrede der Buchmesse aber wird der Schweizer Adolf Muschg halten. In seinem Vortrag soll es vor allem um die Zukunft des Lesens gehen. Schon 2013 hatte Sibylle Lewitscharoff in ihrer Eröffnungsrede über die Zukunft des Lesens gesprochen und die Gelegenheit genutzt, das Online-Versandhaus Amazon abzuwatschen. Adolf Muschg aber kommt auch deshalb nach Wien, um seinen neuen Roman „Die japanische Tasche“ vorzustellen.

Zur Buchmesse gibt es mittlerweile am Mittwochabend ein wahres Bücherfest – die sogenannte „Lange Nacht der Bücher“. Diesmal werden die schottische Krimi-Autorin Val McDermid, die Musikerin Judith Holofernes („Wir sind Helden“), der Mathematiker Rudolf Taschner, der Schriftsteller Karl-Markus Gauß und der Kabarettkünstler Dirk Stermann ihre Neuerscheinungen vorstellen. Gleichzeitig treffen sich bei der Poetry-Slam-Nacht sechs Poetry-SlammerInnen aus dem deutschen Sprachraum zum wortgewandten Wettstreit um die Gunst des Publikums. Vorgetragen werden die Texte auf Deutsch, eine Runde aber wird in der jeweiligen Mundart bestritten. Allein das Publikum entscheidet über Gefallen oder Nicht-Gefallen. Antreten werden: Daniel Batliner (Liechtenstein), Raoul Biltgen (Luxemburg), Milana Dürnholz (Belgien), Lisa Eckhart (Österreich), Fee (Deutschland) und Kilian Ziegler (Schweiz). Moderiert wird die Nacht von den österreichischen Poetry-Slam-Ikonen Mieze Medusa und Markus Köhle.

Wie immer holt die Buchmesse in Wien internationale Autoren in die Stadt: Aus Ägypten wird Alaa al-Aswani zu Gast sein. Sein Roman „Der Automobilclub von Kairo“ erzählt von Dekadenz und Extravaganz in einem Automobilclub in den 40er Jahren, bis die Dienerschaft den Aufstand probt. Der französische Schriftsteller Jean-Philippe Blondel kommt auf Einladung des Institut Français Wien mit seinem neuen Roman „Zweiundzwanzig“. Lizzie Doron diskutiert über „Who the Fuck is Kafka?“, in dem eine palästinensisch-israelische Freundschaft im Zentrum steht. Jung Young Moon, einer der meistbeachteten Autoren Südkoreas, stellt seinen Roman „Vaseline Buddha“ vor.

Rafik Schami und Ilija Trojanow

Dicht ist das Feld auch mit bekannten Namen aus dem deutschsprachigen Raum: Feridun Zaimoglu präsentiert seinen für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominierten Roman „Siebentürmeviertel“. Rafik Schami macht mit seiner Lesetour zu „Sophia oder das Ende der Geschichte“ Halt in Wien, Ilija Trojanow spricht über seinen Roman „Macht und Widerstand“. Der ehemalige Hanser-Verleger und Autor Michael Krüger liest aus seinem Erzählband „Der Gott hinter dem Fenster“.

Und auch die österreichische Literaturszene ist mit interesanten Autorinnen und Autoren vertreten: Martin Amanshauser, Valerie Fritsch, Olga Flor, Arno Geiger, Monika Helfer, Vea Kaiser, Thomas Sautner oder Robert Schindel sind da zu nennen.

Zu den Neuerungen in diesem Jahr gehört, dass erstmals antiquarische Bücher eine starke Präsenz haben werden. Spezielle Führungen geben Einblick in die Welt schöner und seltener Bücher. Eine Buchrestauratorin zeigt nicht nur Buchbindetechniken, sondern informiert auch darüber, wie man alte Bücher in einem guten Zustand erhält. Während der gesamten Buchmesse besteht die Gelegenheit, alte Bücher vor Ort von den Experten aus dem Antiquariatsbuchhandel schätzen zu lassen.

Lesen Sie hier die Seitengang-Berichte von der Buchmesse Wien 2013!

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logo_2013_rgbSeit wenigen Tagen ist es amtlich: „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ fährt im November zur Internationalen Buchmesse in Wien. Vom 21. bis 24. November 2013 berichtet Seitengang direkt aus Wien über Lesungen, Autoren und Verlage sowie bereits ab dem 18. November über die Lesefestwoche in der österreichischen Bundeshauptstadt.

Schwerpunkt der Wiener Buchmesse ist neben der Vorstellung der Neuerscheinungen auch in diesem Jahr wieder die ost- und südosteuropäische Literatur. Seit ihren Anfängen vor sechs Jahren hat es sich die Buchmesse Wien zur Aufgabe gemacht, den Horizont zu den Literaturen Zentral-, Ost- und Südosteuropas zu öffnen. Darüber hinaus verspricht Programmdirektor Günter Kaindlstorfer „arrivierte Stars und interessante Geheimtipps“ auf der Messe.

Längst kein Geheimtipp mehr ist Ferdinand von Schirach. Der deutsche Schriftsteller und Strafverteidiger wird am 18. November im Rathaus die Lesefestwoche eröffnen. Dort liest er aus seinem neuen Roman „Tabu“, der am 11. September im Piper Verlag erschienen ist. Danach wird er sich den Fragen der ORF-Moderatorin Nadja Bernhard stellen.

Und auch die Eröffnungsrednerin der Buchmesse ist keine Unbekannte: Sibylle Lewitscharoff, Georg-Büchner-Preisträgerin des Jahres 2013, Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Berliner Akademie der Künste. In ihrem Vortrag wird sie sich der „Zukunft des Lesens“ widmen.

Das vollständige Programm wird am 15. Oktober veröffentlicht. Ab 24. September aber ist schon das Detailprogramm Kinder- und Jugendbuch abrufbar.

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