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Archive for the ‘Die schönsten deutschen Bücher’ Category

© Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

© Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Wieder einmal: Was für eine Pracht! Die Stiftung Buchkunst hat jetzt die „Schönsten deutschen Bücher“ des Jahres 2016 gewählt. Aus rund 800 von den Verlagen eingesandten Titeln wählten zwei Expertenjurys die schönsten 25 Bücher aus – je fünf in den fünf Kategorien „Allgemeine Literatur“, „Fachbücher, wissenschaftliche Bücher, Sachbücher, Schulbücher“, „Ratgeber“, „Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge“ und „Kinderbücher, Jugendbücher“. Wer bibliophile Ausgaben liebt, sollte sich diese 25 Werke unbedingt anschauen!

Sie seien vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung und zeigten eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten, erklärt die Stiftung in einer Pressemitteilung. „Die prämierten Bücher setzen Zeichen und zeigen wichtige Trends und Strömungen der deutschen Buchproduktion.“

Unter den 25 schönsten Büchern findet sich etwa Jakob Hinrichs Graphic-Novel-Bearbeitung von Hans Falladas „Trinker“, erschienen 2015 im Verlag Metrolit in Berlin. Debütiert hatte Hinrichs im Jahr 2012 mit einer grafischen Adaption von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, erschienen in der Büchergilde Gutenberg und mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt.

„Bildergeschichten von litarischer Qualität“

Für sein neues Buch hat sich Hinrichs intensiv mit dem Werk und dem Leben Falladas auseinander gesetzt. Mit dem „Trinker“ hat der morphium- und alkoholsüchtige Fallada einst nicht nur die eigenen Erfahrungen mit dem Alkoholismus verarbeitet, sondern auch seine persönlichen Krisen und Demütigungen. Die Jury der Stiftung Buchkunst urteilt: „Dieser Comic belegt, dass auch Bildergeschichten von litarischer Qualität sein können. (…) Der Zeichner definiert auf kreidiger Farbpalette regelrechte Stimmungsregister, die er so einsetzt, wie in frühen Stummfilmen die szenischen Grundemotionen in Farben codiert wurden.“

Im Bereich „Fachbücher, wissenschaftliche Bücher, Sach- und Schulbücher“ begeisterte sich die Jury zum Beispiel für das satt gelbe Buch „Die Biene – Eine Liebeserklärung“, erschienen bei Greenpeace Media. Ein Buch über Bienen, ihre Fähigkeiten, ihre Produkte, aber natürlich auch über ihre Bedrohungen. Die Jury dazu: „Die großzügigen Kapitelanfänge fallen unmittelbar ins Auge; kleines Bienchen auf rechter luftiger Seitenmitte, verso kursive Zitate in übergroßem Grad; gegenüber geht es los mit Kapitelüberschrift und Text. (…) Der Untertitel bekennt: »Eine Liebeserklärung«, die Ausstattung belegt: nicht nur an die Biene.“ Ein Video-Porträt über das Buch und die Autorin Katja Morgenthaler gibt es übrigens hier bei YouTube.

Auch ein Kochbuch hat es unter die 25 schönsten Bücher dieses Jahres geschafft: „Salt & Silver. Reisen, Surfen, Kochen: Lateinamerika“. Es ist das erste Buch von Johannes Riffelmacher und Thomas Kosikowski, die ihre Jobs gekündigt und sich auf die Socken gemacht haben, um die besten Rezepte und die schönsten Surfspots Lateinamerikas zu finden. Kleiner Tipp am Rande: Wenn sie nicht gerade rund unterwegs sind, kochen sie übrigens an ausgewählten Tagen im Hamburger „Kleinen Phi“. Die Jury jubilierte am Ende der ausführlichen Beurteilung: „Dieses Buch strotzt vor Lebensfreude.“

„Zweibücherbuch zum Umstülpen“

Bei den Kinder- und Jugendbüchern sticht die Ausgabe von Lewis Carolls „Alice im Wunderland – Alice hinter den Spiegeln“ aus dem Gerstenberg-Verlag hervor, jenes wunderbare „Zweibücherbuch zum Umstülpen“. „Wo soll man bei diesem komplexen Bild-Text-Arrangement mit der Beschreibung beginnen?“ fragt die Jury in ihrer ausführlichen Bewertung. „Bei der Zauberhaftigkeit des gesamten Bandes? Allein die Kapitelanfangsbilder in ihren floral ornamentalen Varianten reichen aus, um in Verzückung zu geraten.“

Der Gerstenberg-Verlag aus Hildesheim hatte anlässlich des 150. Geburtstags von „Alice im Wunderland“ im Jahr 2015 die von der niederländischen Künstlerin Floor Rieder illustrierte Ausgabe herausgegeben, ein wahres Prachtstück. Besonders raffiniert ist die von der Stiftung Buchkunst erwähnte Wendetechnik: Hat man „Alice im Wunderland“ durchgelesen, dreht man das Buch um und beginnt dort „Alice hinter den Spiegeln“ zu lesen (hier gibt’s eine Leseprobe des Verlags).

Alle prämierten Bücher mit ausführlicher Jury-Begründung und weiteren Informationen zum jeweiligen Buch gibt es natürlich auf der Webseite der Stiftung Buchkunst. Der Blick lohnt sich!

Einer der prämierten Buchtitel hat zusätzlich die Chance, den renommierten und mit 10.000 Euro dotierten „Preis der Stiftung Buchkunst“ zu ergattern. Auch das entscheidet wiederum eine Jury, und das Ergebnis wird am 8. September bei einem Festakt in Frankfurt am Main bekannt gegeben.

Seit 1966 begleitet die Stiftung Buchkunst mit Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig kritisch die deutsche Buchproduktion. Ihr Ziel ist, die Qualität des Buches in technischer und künstlerischer Hinsicht zu fördern. Der Wettbewerb „Schönste deutsche Bücher“ ist die Hauptaufgabe der Stiftung. Damit will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium Buch und seiner Form zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

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