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Einmal im Jahr feiert die deutschsprachige Comicszene den sogenannten Gratis-Comic-Tag (GCT). Dann liegen in vielen Comic-Läden und Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 30 eigens für diesen Tag produzierte Hefte aus, die kostenlos mitgenommen werden können. Ziel der Aktion ist es, das narrative Potential, die thematische Vielfalt und künstlerische Qualität des Mediums einer breiteren Öffentlichkeit vertraut zu machen. Vor allem aber soll sie all jenen Menschen, die ihren Lesestoff über das Internet beziehen, einen Anreiz bieten, wieder mehr die lokalen Buch- und Comicläden zu besuchen.

Die Auswahl in diesem Jahr ist wieder mal fein: 30 unterschiedliche Hefte haben die Verlage produzieren lassen, darunter Auszüge aus aktuellen Manga-Bestsellern wie „One-Punch Man“, crossmediale Comic-Stories zu TV-Formaten wie „Sherlock“ und „Dr. Who“, traditionelle US-Comic-Helden wie Superman und Spider-Man oder moderne zeitgeistige Heldinnen wie die „Paper Girls“ aus dem Verlag Cross Cult.

Dazu intelligente Independent- und freche Pulp-Unterhaltung aus Deutschland, Kindercomics und allerlei Phantastisches. Und natürlich nicht zu vergessen: die Ausgabe zum 65. Geburtstag von Entenhausens genialischen Erfinder Daniel Düsentrieb oder André Franquins Berufschaot „Gaston“, der auch schon 60 Jahre alt wird (man sieht’s ihm nicht an!).

Sie sind Krimi- und Thriller-Fan? Auch an diese Interessen ist gedacht: Die französische Serie „Gil St. Andre“ (All Verlag) ist ein Entführungs-Thriller mit überraschenden Wendungen. „Sherlock“ ist eine japanische Version der BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch. Etwas freier, aber auch Sherlock Holmes: „Die Chroniken des Moriaty“ ist eine Horror-Lovecraft-Variante des legendären Stoffes von Arthur Conan Doyle. „Silver“ ist ein stylischer Vampir-Krimi in Schwarzweiß. Und aus Deutschland kommt der Verschwörungs-Thriller „Seneca Akte: Die Ustica-Verschwörung“.

Welcher Laden macht mit?

Knapp 330 Händler haben sich zum diesjährigen Gratis-Comic-Tag angemeldet. Bei einigen Comic-Händlern gibt es am Samstag darüber hinaus auch noch Signierstunden mit Comic-Künstlern, Ausstellungen oder zusätzliche Sonderangebote. Wer wissen möchte, welcher Händler denn aus der Nähe überhaupt mitmacht, kann das hier auf der Webseite zum Comic-Tag nachsehen.

In Ostwestfalen-Lippe nehmen sieben Händler teil: Der Comic-Laden in Lemgo (Kreis Lippe), das Comic- und Musik-Archiv in Bielefeld, der Laden „Moderne Zeiten“ in Bielefeld, sowie die Thalia-Buchhandlungen in Bielefeld, Minden, Paderborn und Bad Oeynhausen.

Verlosung von drei Comics

„Seitengang – Ein Literatur-Blog“ verlost in diesem Jahr mit dem Veranstalter drei Comics (nicht deren Gratis-Hefte!): „Sherlock Holmes & das Necronomicon“ (Splitter Verlag), „Hilda und der Mitternachtsriese“ (Reprodukt Verlag) sowie „Superman: Lois und Clark“ (Bd.1, Panini Verlag). Was Sie tun müssen, um eines dieser Comics zu gewinnen? Kommentieren Sie einfach diesen Artikel und schreiben Sie, warum Sie so gerne Comics bzw. Graphic Novels lesen, und vielleicht auch, welchen der drei Comics Sie am liebsten gewinnen würden.

Alle Kommentare bis Freitag, 12. Mai, 11.59 Uhr, landen im Lostopf (beachten Sie auch die Teilnahmebedingungen am Ende dieses Artikels!).

Die Verlosung ist beendet und die Gewinner bereits benachrichtigt!

Die Geschichte des Gratis-Comic-Tags

Der GTC ist noch ein sehr junger Aktionstag. Es ist nämlich gerade erst sieben Jahre her, dass der deutschsprachige Comic- und Buchhandel und die Comic-Verlagslandschaft den Aktionstag ins Leben gerufen haben. Siebzehn Verlagshäuser, von Marktführern wie Carlsen, Egmont Ehapa und Panini bis hin zu Einmannverlagen und Independent-Comic-Schmieden, hatten sich anfangs zusammengetan und 30 verschiedene Comic-Hefte produziert, die am GTC mit einer Startauflage von 180.000 Stück bei Händlern in fast allen größeren Städten kostenlos an alle Interessierten verschenkt wurden.

Der Erfolg gab den Machern Recht, und 2011 und 2012 wurde die Druckauflage der GCT-Hefte bereits fast verdoppelt. 300.000 Comics gingen unters Volk. 2013 und 2014 stießen immer mehr klassische Buchhandlungen zu den GCT-Läden dazu und führten ihre Kundinnen und Kunden in die Welt der Neunten Kunst ein. Im Jahr 2017 werden erstmals 400.000 Comic-Hefte ausgeliefert.

Die Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels:
1. Veranstalter des Gewinnspiels ist der Blog „Seitengang – Ein Literatur-Blog“. Das Gewinnspiel gehört zur Aktion „Gratis-Comic-Tag 2017“.
2. Die Teilnahme ist kostenlos. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel akzeptiert der Benutzer diese Teilnahmebedingungen.
3. Teilnahmeberechtigt sind nur Personen mit Wohnsitz in Deutschland, die bei der Teilnahme mindestens 18 Jahre alt sind. Teilnehmer des Gewinnspiels ist diejenige Person, der die eMail-Adresse gehört, die beim Kommentar des Blog-Artikels angegeben wird. Es ist pro Teilnehmer nur eine Teilnahme möglich. Ein regelwidriger oder wiederholter Kommentar hat den Spielausschluss des Teilnehmers zur Folge.
4. Es werden nur die im Artikel genannten Preise vergeben.
5. Das Gewinnspiel beginnt am 09. Mai 2016 um 10 Uhr und endet am 12. Mai 2016 um 12 Uhr.
6. Die Gewinner werden noch am 12. Mai unter Verwendung der bei der Kommentierung angegebenen Mailadresse benachrichtigt. Die Gewinner haben den Erhalt der Gewinnbenachrichtigung unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 15. Mai 2016 zu bestätigen und die noch benötigten Angaben zu machen, um den Gewinn zuzustellen. Andernfalls ist „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ berechtigt, einen neuen Gewinner auszulosen.
7. Der Preis wird den Gewinnern per Post an die bei der Bestätigung angegebene Adresse geschickt. Mit Aufgabe des Preises bei der Post geht die Gefahr auf den Gewinner über. Für Lieferschäden ist „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ nicht verantwortlich.
8. Eine Barauszahlung oder ein Tausch des Gewinns ist nicht möglich. Der Preis ist nicht übertragbar.
9. Der Gewinner erklärt sich einverstanden, dass sein Name und sein Wohnort am Ende des Gewinnspiels auf „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ veröffentlicht wird.
10. Jegliche Schadenersatzverpflichtung von „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ und ihres Verantwortlichen aus oder im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel, gleich aus welchem Rechtsgrund, ist, soweit gesetzlich zulässig, auf Fälle von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beschränkt.
11. Die bei diesem Gewinnspiel von Ihnen gemachten Angaben werden von „Seitengang – Ein Literatur-Blog“ nur zur Abwicklung des Gewinnspiels genutzt. Sie werden nicht zum Zwecke der Werbung gespeichert.
12. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Seit einiger Zeit revolutioniert ein kleiner Verlag aus Berlin den Buchmarkt. „Round not Square“ bringt seine Werke als Schriftrollen heraus und erlaubt damit einen Zugang, wie ihn Leser lange Zeit nicht mehr erlebt haben. „Round not Square“ hat bereits einige Kunst- und Fotobücher veröffentlicht, aber auch das zauberhafte Kinderbuch „Wilma und Wolf“. Jetzt beweist der Verlag mit Paul Rietzls „Shipwreck“, dass auch Graphic Novels ins rollende gigantisch-extreme Querformat gehören.

„Der Weltraum – unendliche Weiten.“ So beginnt die deutsche Version von „Raumschiff Enterprise – The next Generation“. So könnte aber auch „Shipwreck“ beginnen, denn durch das Schriftrollenformat haben die Augen schier unendlich weiten Raum, die erzählte Geschichte zu erfassen. Man kann sie nur wenige Zentimeter ausbreiten oder endlich mal wieder den Tapeziertisch aus dem Keller nutzen. Vornehmlich funktioniert das so fantastisch, weil der Augsburger Zeichner Paul Rietzl sich diesen Raum kunstvoll genommen hat. Weil das Rollenformat ihn nicht einengt und zu Panels drängt, die die Schmalheit eines Buches sonst vorgibt. Dieser Schriftrollenraum kennt keine Grenzen. Er ist die Buch gewordene Weiterentwicklung der Idee einer „unendlichen Leinwand“, die ursprünglich von dem Comic-Künstler und -Theoretiker Scott McCloud stammt. Der US-Amerikaner hatte sich zur Jahrtausendwende die Frage gestellt, ob Comics nicht auch wie Webseiten durch Scrollen zu lesen seien. Nach dem Lesen von „Shipwreck“ aber werden Sie denken: Rollen statt Scrollen!

„Shipwreck“ spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschen nach dem Untergang einer einst reichen Zivilisation nur noch zwischen Weltraumschrott dahinvegetieren. Die einen sind die Sammler und Unterdrückten, die anderen die Herrscher und Unterdrücker. Ein Samurai-Clanwesen gaukelt eine gewisse Struktur vor, aber letztendlich geht es immer nur um die Macht des Herrschens. Wer sich dagegen auflehnt, muss mit dem Tode rechnen, und so ergeht es auch der Fürstin des Helden und Erzählers Oishi. Ein Erweckungserlebnis für den bisherigen Mitläufer, denn fortan hinterfragt er die interstellare Grundordnung. Und es beginnt der letzte Kampf um die Zukunft der Galaxie.

Macht, Ehre und die eigene Integrität

Es mag sein, dass die Geschichte des 1986 geborenen Rietzl auch deshalb so gut funktioniert, weil sie im Rollenformat erzählt wird und wie im Film vor unseren Augen abläuft. Hat man die 15 Meter lange und 20 Zentimeter breite Schriftrolle wieder in ihren Ursprungszustand zurückgerollt – was bleibt dann von „Shipwreck“? Vor allem die philosophischen Fragen über Macht und Machtmissbrauch, über Ehre und die eigene Integrität. Übersetzt heißt „Shipwreck“ Schiffbruch, aber „to shipwreck“ bedeutet auch, etwas zum Scheitern zu bringen. Mit Oishi müssen wir uns fragen lassen, ob wir lieber passiv bleiben und Schiffbruch erleiden oder aktiv werden und etwas Unrechtes zum Scheitern bringen wollen. Eine Frage, die ewig jung ist und doch so alt wie das Universum.

Mit „Shipwreck“ zeigt „Round not Square“ einmal mehr, wie das Geschichtenerzählen immer wieder neu erfunden werden kann, wie es spannend und aufregend bleibt. Und dass die Schriftrolle es wert ist, in die Jetztzeit geholt zu werden. Eine Wohltat für all jene, die Bücher lieben, sie gerne anfassen und sich mit ihnen beschäftigen!

Paul Rietzl: „Shipwreck“, Round not Square, Berlin, 2016, 15 Meter lang, 20 Zentimeter hoch, handgebunden in Buchleinen mit Magneten, 28 Euro, bestellbar über den Onlineshop des Verlags, Unboxing-Video

Es gibt sie noch, die Bücher, die man eng an sein Herz pressen und nie wieder hergeben möchte. „Der Fuchs und der Stern“ ist ein solches Buch, grafisch herausragend umgesetzt, erzählerisch trotz nur weniger Worte eine Wucht und zusammen genommen eine fantastische Harmonie von Bild und Text. Ein wahrer Schatz!

„Der Fuchs und der Stern“ erzählt die Geschichte eines Fuchses, der tief verborgen in einem dichten Wald lebt. Er hat nur einen einzigen Freund, einen Stern, der ihm stets den Weg weist. Eines Nachts aber ist der Stern plötzlich verschwunden und der Fuchs ganz furchtbar allein. Was nach Kinderbuch klingt, ist eine anrührende Fabel über Freundschaft und Verlust. Auch für Erwachsene.

Geschrieben und illustriert hat sie die Engländerin Coralie Bickford-Smith, die als eine der international renommiertesten Buchgestalterinnen gilt. Für den Verlag Penguin Random House in London hat sie legendär gewordene Buchreihen entworfen, darunter vor allem die Penguin Hardcover Classics. Für die Reihe mit in Leinen gebundenen Klassikern der Weltliteratur in wunderschön-bibliophiler Ausstattung, die an die Welt der viktorianischen Buchbindung erinnert, bekam Bickford-Smith international viel Aufmerksamkeit. „Der Fuchs und der Stern“ ist ihr erstes Buch, das sie selbst verfasst hat. Auf ihrer Webseite erzählt sie, die Geschichte sei von ihren eigenen Lebenserfahrungen inspiriert. Mehr aber verrät sie darüber nicht.

Neue Art der Buchkunstbewegung initiiert

Wie ihre anderen Arbeiten geht auch die Illustration von „Der Fuchs und der Stern“ zurück auf die viktorianische Zeit der Buchgestaltung und dort vor allem auf das Werk von William Morris. Der britische Tausendsassa begann im Alter von 54 Jahren und nur acht Jahre vor seinem Tod mit dem Buchdruck und richtete 1888 seine eigene Privatdruckerei ein, die fortan unter dem Namen „Kelmscott Press“ berühmt wurde und eine neue Art der Buchkunstbewegung initiierte.

Wie Morris legt auch Bickford-Smith deutlichen Wert auf die ornamentale Ausschmückung ihrer Bücher sowie die Verwendung von sorgfältig ausgewähltem Papier. Wichtigste Inspiration für ihre eigene Fuchs-Geschichte sei William Morris‘ „Kelmscott Press“-Ausgabe von „Reineke Fuchs“, die 1892 veröffentlicht wurde.

Gehen Sie an diesem Buch nicht achtlos vorbei! Fassen Sie es an, schlagen Sie es auf, betrachten Sie diese Kunstfertigkeit, denn „Der Fuchs und der Stern“ ist nicht nur eine wunderbar feine Harmonie von Typografie, Illustration, Papier und Einband. Es ist eine Schönheit sondergleichen! Und niemand, der es besitzt, wird es je wieder hergeben wollen. Deshalb sollte jeder stets zwei Exemplare besitzen – eines zum Behalten und eines zum Verschenken.

Coralie Bickford-Smith: Der Fuchs und der Stern, Insel Verlag, Berlin, 2016, 64 Seiten, gebunden, 18 Euro, empfohlen ab 4 Jahren, ISBN 978-3458176862, Leseprobe

Ein Revoluzzer verkauft den Zwang

von-allen-guten-geisternLange Zeit erinnerte in Hamburg nur noch die Friedrichsberger Straße und die S-Bahn-Haltestelle Friedrichsberg an die einstige Heil- und Irrenanstalt aus dem 19. Jahrhundert. Jetzt aber ist es dem Schriftsteller Andreas Kollender in vortrefflicher Weise gelungen, diese Geschichte wieder ans Licht zu holen – und nicht nur das. Mit seinem neuen Roman „Von allen guten Geistern“ würdigt er besonders den Begründer der Anstalt und schreibt diesen Mann furchtbar schön und direkt ins Herz des Lesers. Eine Wucht von einem Roman!

In der alten Hansestadt Hamburg schreibt man das Jahr 1864, als die Zeitungen von einem seltsamen Vorfall auf dem Heiligengeistfeld berichten. Ein Mann namens Ludwig Meyer verkauft auf dem Markt alte Zwangsjacken – und die Leute reißen sie ihm förmlich aus den Händen. Dieser Meyer war niemand Geringeres als der neue Leiter der Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg, der, wie Kollender es ihm so schön in den Mund legt, den „Zwang verkauft“ hat. Der Psychiater war seiner Zeit und dem Wissen und Wollen seiner Kollegen weit voraus und Anhänger der sogenannten „No Restraint“-Bewegung. Keine Zwangsmaßnahmen sollten die Patienten einengen, sondern sie sollten sich weitestgehend frei entfalten können.

Die Heil- und Irrenanstalt Friedrichsberg, die tatsächlich maßgeblich nach Meyers Plänen eingerichtet wurde, galt als eine der fortschrittlichsten Psychiatrien der damaligen Zeit. Erstmalig blieben die Fenster ohne Gitter, und die Menschen wurden nicht mehr wie Gefängnisinsassen behandelt, sondern bekamen Freizeitangebote. Sie konnten malen, musizieren, ihr eigenes Gemüse anpflanzen. Bis dato ein Ding der Unmöglichkeit, denn wer im frühen 19. Jahrhundert psychisch erkrankte, dem wurde in der Regel nicht geholfen, sondern der wurde weggesperrt, von der Öffentlichkeit ferngehalten. Psychischen Erkrankungen haftete ein Makel an, dem man besser aus dem Wege ging.

Schrecken einer psychischen Erkrankung

Der junge Ludwig Meyer erlebt in der eigenen Familie den Schrecken einer psychischen Erkrankung. Seine Mutter wird zunehmend depressiv, der Arzt weiß sich keinen Rat. Der strenge Vater erklärt seinem wissbegierigen Sohnemann, seine Mutter habe nur eine Verstimmung. „Eine Gemütssache. Frauenunsinn.“ Doch dass seiner Mutter nicht nur Frauenunsinn widerfährt, ist Meyer spätestestens klar, als sie versucht, sich in den Tod zu stürzen. Der Vater ist völlig überfordert, fürchtet um den guten Ruf der Kaufmannsfamilie. Die Kutsche, die die Mutter ins Krankenhaus bringt, soll tunlichst nicht gesehen werden. Und als sie aussteigen, sagt er seiner Frau: „Die Schultern zurück, strengerer Blick, Annette, stramm, sonst halten die dich noch für verrückt.“

Bloß nicht verrückt sein. Nur Frauenunsinn. Für Ludwig Meyer folgt an diesem Tag wohl das Erweckungserlebnis für die viel spätere Entscheidung, den Zwang zu verkaufen. Denn er muss mit ansehen, wie seine Mutter überwältigt und in eine Zwangsjacke gesteckt wird. „Die drei Graukittel zogen sie durch eine Tür. Mutters Fersen schleiften über den Boden, sie verlor ihre Schuhe. Sie kreischte. (…) Rums. Weg.“ Oft schreibt Kollender bloß kurze, einfach wirkende Hauptsätze. Doch er schafft damit immer wieder eine Eindringlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Das ist wahre sprachliche Raffinesse, die mit wenigen Worten das Herz erreicht und das Denken anschiebt.

Ludwig Meyer macht sich auf, ein Reformer der Behandlung geistig kranker Menschen zu werden. Im Studium nennen ihn manche einen „eleganten Spinner“, andere verspotten ihn als „Advocatus der Irren“. Und seine Professoren der Medizin glauben, es sei eine rhetorische Frage, die sie stellen, wenn sie ins Auditorium rufen: „Meine Herren, wirklich, wofür braucht ein Irrer einen Arzt?“ Ja, wofür braucht ein Irrer einen Arzt? Der hat schließlich kein gebrochenes Bein, das man behandeln könnte. Der Irre ist nicht ganz klar im Kopf, dem kommt man nicht bei, deshalb versteckt man ihn lieber im Keller hinter vergitterten Fenstern und überlässt ihn sich selbst. Ludwig Meyer besucht in England den Kollegen John Conolly, der ebenfalls historisch verbrieft ist. Conolly ist in England damals Vorreiter der „No Restraint“-Bewegung, und Kollender lässt ihn deutlich formulieren: „Wir nennen sie Irre. Wahnsinnige. Wir drängen sie weg. Warum, Meyer? Weil wir Angst haben. Wir haben Angst davor, etwas von uns selbst in diesen Menschen zu sehen. Wir haben Angst vor Erkenntnis.“

„Hauen Sie wieder ab mit diesem ganzen Dreckspack“

Und die furchtbare Erkenntnis ist: daran hat sich nach fast 200 Jahren kaum etwas geändert. Wie auch an der Reaktion der Öffentlichkeit nicht. Denn heute wie damals kocht die Volksseele, wenn in die Nachbarschaft ein psychiatrisches Krankenhaus ziehen soll: „Wir wollen Sie da nicht!“ „Hauen Sie wieder ab mit diesem ganzen Dreckspack.“ „Wir wollen keine Irrenanstalt bei uns. Wir wollen die da nicht haben.“ Das sind Sätze aus dem Roman. Aber sie könnten auch aus einer heutigen Bürgerversammlung stammen.

Kollender hat also nicht nur ein zu Herzen gehendes historisch exzellent recherchiertes Porträt über einen Psychiatrie-Revoluzzer geschrieben, sondern auch einen Roman, an dem wir uns selbst messen können: wie gehen wir denn heute mit psychisch Kranken um? Wie behandeln wir Menschen mit Behinderungen? Und braucht nicht jede Zeit Menschen wie Ludwig Meyer, die anderen voraus sind und uns daran erinnern, was wir alle sind? Ohne Ausnahme: Menschen. Meyer muss das sehr häufig sagen: Menschen! Das sind doch Menschen!

Ihm ist nichts Menschliches fremd, diesem Ludwig Meyer. Das ist schon ein dufter Typ, und allzu oft möchte man zu ihm in die Kutsche steigen und die Räder über das Pflaster Hamburgs rattern hören, während man mit dem Herrn Doktor Fallakten bespricht. Aber dann und wann möchte man ihn auch schütteln und zur Vernunft bringen, manchmal ist er gar ein arroganter Angeber – und in der Liebe ein hilfloses Wesen. Obgleich Ludwig Meyer in diesem Roman Bahnbrechendes vollbringt, macht Kollender ihn nicht zum Helden. Das ist er nicht, das macht aber auch einen weiteren Reiz dieses Buches aus: dass Ludwig Meyer seine eigenen Verschrobenheiten hat. Manche würden vielleicht sagen: Verrücktheiten.

Kollender, der mit seiner Familie in Hamburg lebt, ursprünglich aber aus Duisburg stammt, hat bereits 2015 mit der Wiederentdeckung eines historischen Helden brilliert: In dem Kriminalroman „Kolbe“ erweckte er eindrucksvoll den fast vergessenen Widerstandskämpfer Fritz Kolbe zum Leben. Das Buch, ebenfalls aus dem Pendragon-Verlag, liegt mittlerweile in der fünften Auflage vor und wird derzeit für den US-amerikanischen Markt übersetzt. „Kolbe“ war ein großer Erfolg – und auch Meyer könnte ein solcher werden. Warum? Einer von Meyers Kommilitonen sagt einen Satz, der treffender nicht sein könnte: „Eine gut erzählte Geschichte, Ludwig, das ist doch das Beste.“

Andreas Kollender: Von allen guten Geistern, Pendragon Verlag, Bielefeld, 2017, 438 Seiten, broschiert, 17 Euro, ISBN 978-3865325754, Leseprobe

Diese Rezension ist in gekürzter Fassung auch im Wochenendmagazin der Neuen Westfälischen (Samstag/Sonntag, 18./19. März 2016) erschienen.

Verlosung: Gewinnen Sie eines von drei Kollender-Buchpaketen!
Mit diesem Beitrag bricht der Bielefelder Pendragon-Verlag zu einer fünftägigen Blogtour auf: fünf Literaturblogs aus Deutschland beschäftigen sich in unterschiedlichster Art und Weise mit dem neuen Buch von Andreas Kollender. Tag für Tag folgen nun die weiteren Beiträge auf den Blogs „Leckere Kekse“, „Der Buch- und Medienblog“, „Die dunklen Felle“ sowie auf dem Blog „Wortgestalt“. Folgen Sie der Blogtour mit dem Hashtag #KollendersGeister in den sozialen Netzwerken und verpassen Sie keinen Beitrag!

Im Rahmen der Blogtour verlost der Pendragon Verlag drei Kollender-Buchpakete mit jeweils einem Exemplar von „Kolbe“ und „Von allen guten Geistern“. Um an der Verlosung teilzunehmen, müssen die TeilnehmerInnen ein Lösungswort bilden. Das Lösungswort findet sich in den fünf Blogbeiträgen zu der Tour. In jedem Beitrag findet sich ein fett gedruckter Buchstabe – das Lösungswort besteht also aus fünf Buchstaben. Zur Teilnahme an der Verlosung muss das Lösungswort an presse@pendragon.de gesendet werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 17. März 2017 um 23:59 Uhr.

Die drei Gewinner werden aus allen Teilnehmern ausgelost. Nach der Auslosung werden die Gewinner per Mail benachrichtigt und um ihre Adressdaten gebeten. Die Adressdaten der Gewinner werden nur für den Versand benötigt und nicht an Dritte weitergegeben. Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklären Sie sich mit diesen Bedingungen einverstanden.

Die Spezialität des Pendragon-Verlags aus Bielefeld sind Krimis. Unter den Freunden der Spannungsliteratur ist der Verlag auch deshalb bekannt geworden, weil er angekündigt hat, alle 20 Bände der Dave-Robicheaux-Reihe von US-Autor James Lee Burke zum Teil erstmals auf Deutsch herauszubringen. Außerdem veröffentlicht der Verlag seit 2009 die Werkausgabe von Max von der Grün. Sämtliche Bände der zehnteiligen Werkausgabe sind gebunden erschienen und enthalten weitere Erzählungen, Reportagen und Erinnerungen sowie jeweils ein Nachwort (zur Seitengang-Rezension von Band I der Werkausgabe).

blogtour-headerAm Montag bricht der Bielefelder Pendragon-Verlag zu einer fünftägigen Blogtour auf: fünf Literaturblogs aus Deutschland werden sich dann der lang erwarteten Frühjahrsneuerscheinung „Von allen guten Geistern“ widmen, die niemand Geringeres als Andreas Kollender geschrieben hat. Kollender sorgte bereits 2015 mit seinem Werk „Kolbe“ für Furore. In dem Kriminalroman erweckt er eindrucksvoll und sprachlich brillant den fast vergessenen Widerstandskämpfer Fritz Kolbe zum Leben. In seinem neuen Roman „Von allen guten Geistern“ beschäftigt sich Kollender nun mit der historischen Figur des Psychiaters Ludwig Meyer zur Zeit der 1848er-Revolution.

„Seitengang – Ein Literatur-Blog“ wird die Blogtour am Montag, 6. März, mit einer Rezension des Romans eröffnen. Dann folgen Tag für Tag weitere Beiträge auf den Blogs „Leckere Kekse“, „Der Buch- und Medienblog“, „Die dunklen Felle“ sowie auf dem Blog „Wortgestalt“. Folgen Sie der Blogtour mit dem Hashtag #KollendersGeister in den sozialen Netzwerken und verpassen Sie keinen Beitrag! Denn wer alle aufmerksam liest, soviel sei verraten, kann beim Pendragon-Verlag eines von drei Kollender-Buchpaketen gewinnen.

Der Pendragon-Verlag ist unter anderem bekannt, weil er angekündigt hat, alle 20 Bände der Dave-Robicheaux-Reihe von US-Autor James Lee Burke zum Teil erstmals auf Deutsch herauszubringen. Außerdem veröffentlicht der Verlag seit 2009 die Werkausgabe von Max von der Grün, und zwar in vortrefflicher Art und Weise. Sämtliche Bände der zehnteiligen Werkausgabe sind gebunden erschienen und enthalten weitere Erzählungen, Reportagen und Erinnerungen sowie jeweils ein Nachwort (zur Seitengang-Rezension von Band I der Werkausgabe).

Die mitreißende Langsamkeit der Reise

Per Anhalter durch SüdamerikaReisen zu können ist das Eine, aber auch begeisternd darüber zu schreiben vermögen, das ist eine Kunst. Truman Capote, Paul Theroux, Johann Wolfgang von Goethe – große Schriftsteller haben zu allen Zeiten wundervolle Reiseberichte verfasst. Dass das jedoch auch Trampern gelingen kann, beweisen die Journalisten Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma eindrucksvoll in ihrem Buch „Per Anhalter durch Südamerika“.

Als die beiden 2011 in Deutschland aufbrechen, liegt eine ungewisse Zukunft von sechs Monaten vor ihnen. Sechs Monate, so lange wollen Morten und Rochssare nach ihrem Studium der Literatur und Medienpraxis eine Sprachreise durch Argentinien und Chile machen. Ihr Antrieb ist weder die Selbstfindung noch das Aussteigertum, sondern ihre Neugier und ihr Interesse an der Welt. Sie trennen sich von ihrem Hab und Gut und nehmen nur das Nötigste mit. Doch sechs Monate genügen nicht, um ihren Reisehunger durch Südamerika zu stillen. Am Ende sind es 752 Tage, 56.000 Kilometer und ein Reisebericht, der beim Lesen furchtbar schrecklich-schönes Fernweh macht.

Sie reisen langsam, in aller Ruhe und stets ohne Flugzeug. Per Anhalter, auf Ladepritschen, engen LKW-Sitzen oder mit dem Boot geht es durch alle südamerikanischen Länder. Sie betreten Niemandsländer und Megametropolen. Sie treiben einen Monat lang mit Marktschiffen den Amazonas hinunter, klettern in die bolivischen Silberminen von Potosí und besuchen die Mennoniten in Paraguay. Eine fünftägige Flussfahrt auf dem Río Paraguay gerät fernab vom erhofften Traum einer Hängematten-Entspannungspartie und Erholungsreise zur belastenden Tortur mit wenig Schlaf, nächtlicher Eiseskälte und dem Kampf um jeden Zentimeter Liegefläche auf dem hoffnungslos mit Passagieren und Waren überladenen Boot.

Das Reiseherz schwelgt mit

Peru, Patagonien, Chile, Ecuador, immer weiter geht die Reise. Und immer stärker wird die Lust, den nächsten Flieger zu nehmen, und es den beiden nachzutun. Das Reiseherz schwelgt mit, rast aufgeregt bei der Schilderung der Mountainbikefahrt auf dem „Camino de la muerte“, der gefährlichsten Straße der Welt, und klopft vor Inbrunst bei den Salsaweltmeisterschaften in Kolumbien oder angesichts des höchsten Wasserfalls der Welt, dem Salto Ange im venezolanischen Dschungel.

Andererseits, das muss man deutlich sagen, verschließen die beiden ihre Augen nicht vor den Missständen Südamerikas. Ohnehin ist dieses Buch kein Reiseführer. Wer erstmalig eine Südamerikareise plant, sollte „Per Anhalter durch Südamerika“ eher als Ergänzung lesen. Dafür ist es dann aber auch lohnenswert. Wer bereits Südamerika-Fan ist, wird sich durch die Erlebnisse von Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma genussvoll berauschen können und sich womöglich an die eigenen Reisen auf den Kontinent erinnern.

Begleitet wird die vielfältige und faszinierende Lektüre von 48 Farbfotos. Die aber – und das ist das große Manko – hätte man wesentlich besser mit dem Text verbinden können. So hängt der Bildteil in der Mitte des Buches, und während des Lesens findet sich kein Hinweis darauf, welches Foto denn nun zum Gelesenen passen könnte. Das ist ausgesprochen schade und wurde auch in der mittlerweile erweiterten Ausgabe (November 2016) nicht geändert.

„Wir werden einfach das machen, was wir gerne machen möchten“

Morten und Rochssare kamen nach zwei Jahren Südamerika zurück nach Deutschland. Sie sind acht Monate geblieben, haben die Familie besucht und Freunde getroffen. Inzwischen sind die beiden längst wieder unterwegs: „Wir werden einfach das machen, was wir gerne machen möchten. Und zwar weiterreisen.“ Wer ihnen durch Asien und weitere Kontinente folgen möchte, dem seien die Facebook-Seite, ihr Blog, ihr Vimeo-Auftritt und vor allem der Instagram-Account anempfohlen.

Der deutsche Dichter Christian Friedrich Hebbel soll gesagt haben: „Eine Reise ist ein Trunk aus der Quelle des Lebens.“ Morten Hübbe und Rochssare Neromand-Soma sind bereits trunken vom Leben. Lassen wir uns doch mitreißen! Was kann denn schöner sein, als sich aufzumachen in die Welt?

Morten Hübbe/Rochssare Neromand-Soma: Per Anhalter durch Südamerika, Malik Verlag (National Geographic), München, 2016, 427 Seiten, 48 Farbabbildungen, Taschenbuch, 16 Euro, ISBN 978-3492406116, Leseprobe

Finale ohne Finesse

mind-controlWenn Sie all jene Menschen sehen, die im Alltag auf ihre Handys und Tablets starren und die Umgebung völlig zu vergessen scheinen, denken Sie manchmal daran, dass ein Bösewicht sie alle hypnotisiert? Dass er Schindluder mit ihnen treibt? Sie sollten das in Erwägung ziehen, oder Stephen Kings neuer Roman „Mind Control“ wird Ihnen brutal die Augen öffnen. Dabei ist der abschließende Roman der Trilogie um den pensionierten Cop Bill Hodges leider nicht so raffiniert und brillant gelungen wie seine beiden Vorgänger.

Die unheilbringenden Geräte in Kings neustem Wurf sind keine Mobilfunkgeräte, sondern etwas viel profaneres: tragbare Videospielsysteme aus vergangenen Zeiten, als solche Spiele noch auf kleinen LCD-Bildschirmen liefen. Man könnte meinen, die Dinger locken heutzutage nur noch Sammler und Nerds hinter dem Ofen hervor. Und dennoch: Ob Teenager, Krankenschwester oder ein querschnittsgelähmtes Unfallopfer – die billig produzierten Spiele üben auf die Menschen in „Mind Control“ einen seltsam faszinierenden Reiz aus.

Nicht von ungefähr, das darf man wohl verraten, stehen sie alle in Verbindung zu einem Mann namens Brady Hartsfield, der im April 2009 bei einer Amokfahrt acht Menschen getötet und dutzende weitere verletzt hat. Jenem Hartsfield, dem King mit dem ersten Roman der Hodges-Trilogie („Mr. Mercedes“, Rezension) eine Stimme gegeben hat – und die man bis zum Ende des zweiten Teils für endgültig verstummt hielt.

Geschickter Schachzug

Ja, Hartsfield ist zurück, und er will sich rächen – an den vielen jungen Mädchen, die bei seinem letzten großen Coup nicht gestorben sind, vor allem aber an seinem Erzfeind Hodges. Der hatte mit seinem Team den verheerenden Anschlag auf ein Boygroup-Konzert verhindert, Hartsfields Hirn zu einer undefinierbaren Masse zerschlagen und ihn zu einem Pflegefall gemacht. Den Bösewicht zurück auf die Bühne zu heben, ist ein geschickter Schachzug. Aber es ist kein guter, der das Spiel in eine andere Richtung bringt.

Der Plot wirkt, als seien dem Meister des Horrors und des Grauens die Ideen ausgegangen. Schon aus „Mr. Mercedes“ weiß der Leser, dass Hartsfield überzeugend einen anderen Menschen zum Suizid bringen kann. Jetzt soll er trotz zerstörtem Hirn und mit ein wenig übermenschlichen Kräften in der Lage sein, sein suizidales Werk zu verfeinern.

Hätte es nach dem fulminanten Thriller-Auftakt mit „Mr. Mercedes“ und dem wahrlich begeisternden zweiten Teil („Finderlohn“, Rezension), der eine lesenswerte Abhandlung über das Spannungsverhältnis zwischen Leser und Autor war, nicht einen würdigen und adäquaten Abschluss geben können? Das skurrilste Ermittler-Trio der Horror-Welt, das man im ersten Teil so lieben gelernt hat, schwächelte bereits im zweiten Roman, nur um im Finale seine Extravaganz völlig zu verlieren.

Es riecht nach einem Showdown

In „Mind Control“ bleiben nur noch zwei Hauptcharaktere übrig: Brady Hartsfield und Bill Hodges, dem jetzt auch noch die Gesundheit schwer zu schaffen macht. Das riecht nach einem Showdown! Und diese Vorhersehbarkeit der Geschichte ist ein weiterer Kritikpunkt.

Es fehlt an Rückschlägen, an Abzweigungen, unvorhersehbaren Wendungen, für die King so bekannt ist. Viel zu linear ist dieser Roman erzählt, wenn man von den teilweise auch noch ziemlich langen Rückblenden absieht, die Nichtkenner der ersten beiden Teile ins Boot holen soll. Nein, dieser Roman ist zu dürftig und zu wenig originell, als dass er der Wucht der Vorgänger gerecht werden könnte. Schade, dass Kings fantasievoller Ausflug in die Detektivgeschichten mit so einem schwachen Schlusspunkt enden muss.

Stephen King: Mind Control, Heyne Verlag, München, 2016, 528 Seiten, gebunden, 22,99 Euro, ISBN 978-3453270862, Leseprobe, Buchtrailer

Diese Rezension ist in gekürzter Fassung auch im Wochenendmagazin der Neuen Westfälischen (Samstag/Sonntag, 10./11. Dezember 2016) erschienen.

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